28.10.2002

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Bildquelle: PhotoDisc

Netzzensur in Spanien

Mitte Oktober ist in Spanien ein "Gesetz für die Dienste der Informationsgesellschaft und des E-Commerce" [LSSI] in Kraft getreten. Das Gesetz schreibt vor, dass jede spanische Website, die etwas verkauft, im Handelsregister registriert werden muss.

Die spanische Regierung will mit dem Gesetz, das entsprechend einer EU-Direktive erlassen wurde, den Online-Handel sicherer machen. Der Online-Handel soll denselben Steuergesetzen und Handelsgesetzen¿wie der normale Handel unterliegen.

Doch das Gesetz geht noch weiter: Alle Websites, die kaufmännisch tätig sind, müssen eine Firmenadresse und eine Steuernummer auf ihrer Seite ausweisen. Das Gesetz gilt auch für ausländische Seiten, sofern die die Geschäfte ausführenden Personen physisch in Spanien sind.

Meinungsfreiheit wird reguliert

"Dieses Gesetz ist ein Schlag gegen die freie Meinungsäußerung in Spanien", meint der Anwalt der spanischen Bürgerrechtgruppe Kriptopolis, Carlos Sanchez Almeida.

Laut Sanchez Almeida seien die Website-Betreiber durch das neue Gesetz verunsichert. 90 Prozent der spanischen Websites würden laut Sanchez von Selbstständigen oder Non-Profit-Gruppen betrieben.

Seiner Meinung nach werde das Gesetz die Leute davon abhalten, Sites ins Netz zu stellen, selbst wenn es sich dabei um persönliches Fachgebiet handelt oder sie einfach nur ihr Wissen teilen möchten.

Eine Website in Spanien sei nunmehr eine streng regulierte Tätigkeit und in manchen Fällen sogar stärker reguliert als in der realen Welt.

In einer Reihe mit China und Saudi-Arabien

Ein weiterer Punkt des Gesetzes verpflichtet ISPs und Websites dazu, Informationen über Verbindung und Datenverkehr des Kunden ein Jahr lang zu speichern. Genauere Angaben über den Umfang, ob nur IP-Adressen gespeichert werden sollen oder mehr, sind in dem Gesetz nicht festgelegt.

Sollte eine spanische Behörde hinter den Aktivitäten einer Website Gefahr für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ordnung, Konsumentenschutz oder andere ähnlich gelagerte Werte vermuten, kann sie durch einen spanischen Operator den Zugang zu dieser Seite sperren lassen.

Laut einem Rechtsspezialisten von Harvard stellt diese Bestimmung Spanien in eine Reihe mit China und Saudi-Arabien in Sachen Content Control. Zuwiderhandlungen werden mit Strafen von bis zu 600.000 Euro geahndet, bis jetzt sind allerdings noch keine bekannt geworden.

Die spanische Regierung weist die Kritik als hektische Überreaktion von sich. Sie arbeite noch an den Details über die exakte Anwendung des Gesetzes.

Nächster Schritt Zensur?

Miguel Perez, Präsident der Vereinigung der Internet-User mit im Moment 8.000 Mitgliedern, stellt sich hinter das Gesetz über die Veröffentlichung der Betreiberdaten. Er wolle als Konsument eben wissen, mit wem er ein Geschäft abschließe.

Doch auch er habe Probleme mit dem Punkt des Gesetzes der besagt, dass User-Daten gespeichert werden müssen. Sanchez Almeida fürchtet, dass der nächste Schritt in Richtung Zensur gehen könnte.