Kramnik geht gegen Deep Fritz in Führung
Im Kampf gegen das elektronische Schachprogramm "Deep Fritz" hat Weltmeister Wladimir Kramnik am Sonntag in Bahrain am Persischen Golf die mit Spannung erwartete zweite Partie gewonnen.
Der Russe führte die weißen Steine und zwang den Computer nach fünfeinhalb Stunden und 57 Zügen zur Aufgabe. Die erste Partie am Freitag hatte remis geendet. Im Gesamtklassement führt Kramnik jetzt mit 1,5:0,5 Punkten.
Geschickte Manöver von Kramnik
Der Moskauer spielte ein Damengambit und verstand es sehr gut,
seinen Gegner systematisch unter Druck zu setzen. Zug um Zug baute
Kramnik seinen Stellungsvorteil aus, bis nach vier Stunden mit
Ausnahme von zwei Türmen alle Figuren getauscht waren. Durch
geschickte Manöver brachte Kramnik den Computer in Zugzwang, sodass
er am Damenflügel einen Bauern gewann.
Die Live-ÜbertragungMenschliche Operatoren ziehen den Stecker
Wenige Züge später gaben die Bediener von "Deep Fritz" das hoffnungslose Spiel verloren.
Das Preisgeld für den Wettkampf, von Bahrains König Hamad bin Isa al-Khalifa gestiftet, beträgt eine Million USD. Gewinnt Kramnik, bekommt er die ganze Summe, bei einem Unentschieden noch 800.000 USD. Dass der Russe verlieren könnte, daran denkt bei diesem Spielstand im Moment kein Experte. In diesem Fall würde Kramnik immer noch 600.000 USD erhalten.
3,5 Millionen Positionen pro Sekunde
Deep Fritz läuft in Bahrain auf einem Rechner mit acht
Xeon-Prozessoren, die mit 900 MHz getaktet sind. Mehr als 3,5
Millionen berechnete Positionen pro Sekunde soll er analysieren
können.
Vladimir Kramnik vs. Deep FritzFritz gegen Deep Blue
Maschinen waren Fritz als Gegner bisher nicht gewachsen. Deep Blue etwa, der legendäre IBM-Schachcomputer, der Garry Kasparov 1997 besiegte, war gegen Fritz machtlos.
Die deutschen Chessbase-Entwickler von Deep Fritz sagten, dass man mit einem 4:4 mehr als zufrieden wäre. Selbst eine knappe Niederlage von 3,5:4,5 oder auch 3:5 gegen den Weltmeister wäre schon ein Erfolg.
