Anklage gegen Finanzchef erhoben
Im beispiellosen Bilanzbetrugskandal um den bankrotten US-Telekommunikationskonzern WorldCom sind die ersten formellen Anklagen erhoben worden.
Der gefeuerte Finanzchef, Scott Sullivan, sowie der Direktor der Buchführungsabteilung, Buford Yates, sollen sich wegen Wertpapierbetrugs vor Gericht verantworten, beschloss eine Anklagekammer des Distriktgerichts in New York am Mittwoch.
In der Klageschrift wird beiden vorgeworfen, der Börsen- und Wertpapieraufsicht [SEC] falsche Bilanzen vorgelegt zu haben.
Falschbuchungen im Umfang von 7,2 Milliarden USD
WorldCom hat inzwischen Falschbuchungen im Umfang von 7,2
Milliarden USD [7,4 Mrd Euro] eingeräumt. Unter einem Schuldenberg
von 41 Milliarden USD beantragte das Unternehmen mit Sitz in Clinton
[Mississippi] am 21. Juli Gläubigerschutz und löste damit das größte
Konkursverfahren der US-Wirtschaftsgeschichte aus.
Weitere Fehlbuchungen bei WorldComBuchhalter Mayers nicht angeklagt
Sullivan [40] soll Architekt der Bilanzfälschungen sein, mit denen WorldCom die Anleger seit mindestens Anfang vergangenen Jahres in die Irre führte.
Er war am 1. August zusammen mit dem ehemaligen Leiter der WorldCom-Buchhaltung, David Myers, festgenommen und gegen Kaution wieder freigelassen worden. Das Justizministerium warf den beiden die systematische Aushöhlung der Buchhaltungsgesetze und eine "Intrige zum Betrug der investierenden Öffentlichkeit" vor.
Für eine formelle Anklage müssen die Vorwürfe jedoch von einer so genannten Grand Jury, einer Anklagekammer, bestätigt werden. Das geschah am Mittwoch. Buchhalter Myers wurde nicht angeklagt.
Untersuchung gegen Ebbers läuft noch
Auch gegen den ehemaligen WorldCom-Chef, Bernard Ebbers, läuft
eine Untersuchung. Er war im April zurückgetreten, nachdem ans Licht
kam, dass WorldCom ihm Kredite in Höhe von 408 Millionen USD
eingeräumt hatte.
Ex-WorldCom-Finanzchef in Haft
