US-Börsenregeln auch für Auslandsfirmen
Nach den Bilanzskandalen in den USA sollen die an US-Börsen notierten Unternehmen ihre Geschäftszahlen nach einstimmigem Beschluss der Börsenaufsicht [SEC] künftig nicht nur regelmäßig beeiden, sondern auch schneller veröffentlichen.
Ausnahmen für in New York notierte ausländische Firmen lehnte die Kommission ab.
Die US-Börsenaufsicht regelte auf ihrer ersten Sitzung in neuer Zusammensetzung am Dienstag zudem auch den Insider-Aktienhandel von Managern neu.
Im vom Kongress vor kurzem verabschiedeten Sarbanes-Oxley-Gesetz war die SEC [Securities and Exchanges Commission] zu einer besseren Überwachung der Firmen aufgefordert worden. Die Chefs von 942 großen Unternehmen haben seither schon die Bilanzen ihrer Firmen beeidet.
US-Chefs müssen Bilanzen beglaubigenKeine Ausnahmen
Die neuen SEC-Kommissare widmeten sich auch den Forderungen und Einwänden einiger der rund 1.300 in den USA gelisteten ausländischen Firmen, unter denen sich beispielsweise die Deutsche Telekom und die Telekom Austria befinden.
Einige deutsche Konzerne hatten argumentiert, die verschärften Aufsichts- und Rechnungslegungspflichten seien in Teilen mit deutschem Recht unvereinbar. Die Forderung, den Aufsichtsrat mit von der Firma unabhängigen Mitgliedern zu besetzen, kollidiere beispielsweise mit dem deutschen Mitbestimmungsrecht, das unter anderem den Arbeitnehmern einen Sitz im Aufsichtsrat zubilligt.
Auch die britische Regierung hatte Einwände gegen die neuen Regeln, die 143 britische Unternehmen betreffen.
Für die neuen Regeln gilt nun eine Einführungsphase von drei Jahren. Betroffen sind Firmen, die seit mindestens einem Jahr unter SEC-Aufsicht stehen, mindestens einen Jahresbericht eingereicht haben und bei denen der Wert öffentlich handelbarer Aktien wenigstens 75 Millionen USD beträgt.
Schneller berichten
Nach den Beschlüssen des SEC müssen die Unternehmen ihre Jahresergebnisse nun bis spätestens 60 Tage nach Ablauf des Geschäftsjahres vorlegen. Bisher hatten sie 90 Tage Zeit dazu.
Für Quartalsberichte gilt nun eine Frist von 35 statt bislang 45 Tagen. Zunächst hatte die SEC hier sogar nur 30 Tage vorgesehen, war aber nach Protest mehrerer Unternehmen davon abgerückt.
Nach dem Willen der SEC muss ferner künftig innerhalb von zwei Werktagen gemeldet werden, wenn Manager Aktien ihres Unternehmens kaufen oder verkaufen. In der Vergangenheit konnte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis diese Informationen öffentlich gemacht wurden.
