Nächster Börsenskandal bahnt sich an
Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates New York hat ihre Ermittlungen gegen den weltgrößten Finanzkonzern Citigroup ausgeweitet. Dabei geht es um die Frage, ob Citigroup versucht hat, mit Blick auf den Börsengang der Mobilfunktochter der US-Telefongesellschaft AT&T den Kurs der Aktien in die Höhe zu treiben.
Eine Sprecherin von AT&T bestätigte am Freitag, der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer habe das Unternehmen aufgefordert, die Unterlagen zu dieser Emission auszuhändigen.
Der ehemalige Telekom-Star-Analyst der Citigroup-Investmentbank-Tochter Salomon Smith Barney, Jack Grubman, hatte die Bewertung für AT&T im Oktober 1999 auf "buy" heraufgestuft - kurz bevor AT&T ihre Mobilfunktochter an die Börse brachte.
Salomon Smith Barney gehörte seinerzeit zusammen mit Merrill Lynch und Goldman Sachs zum Emissionskonsortium für die AT&T-Mobilfunktochter. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konzentrieren sich nun auf die Rolle von Citigroup-Chef Sanford Weill. Spitzer will einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge herausfinden, ob Weill Druck auf Grubman ausgeübt hat, das Rating für AT&T anzuheben, um von der Emission zu profitieren.
Analysten unter Verdacht"Empörend und unwahr"
Citigroup wies die Vorwürfe scharf zurück. Eine Salomon-Sprecherin sagte, Weill habe niemals einem Analysten gesagt, was dieser schreiben solle. "Jede derartige Vermutung ist empörend und unwahr", fügte sie hinzu.
Staatsanwälte ermitteln bereits seit geraumer Zeit gegen Citigroup im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Energiehändlers Enron und der Pleite des Telekomkonzerns WorldCom.
Spitzer ermittelt auch gegen andere Investmentbanken der Wall Street. Er will dabei herausfinden, ob Investmentbanker Druck auf Analysten ausgeübt haben, Aktien in ihren Berichten in einem besonders günstigen Licht erscheinen zu lassen, um sich Verträge für die Übernahme von Wertpapieremissionen ["Underwriting"] und für Beratung zu sichern.
Nach eigenen Angaben hat auch die US-Börsenaufsicht SEC Ermittlungen gegen zwölf börsennotierte Investmentbanken eingeleitet. Grund sei die mögliche Missachtung von Vorschriften, die das Verhalten der Analysten bei Interessenskonflikten regelten, sagte der leitende Ermittler der SEC, Stephen Cutler.
Internet-Aktie ein "Stück Ramsch"Spitzer bereits erfolgreich
Mit einer außergewöhnlichen Einigung wurde schon vor drei Monaten ein ähnliches dunkles Kapitel der Dot.com-Hysterie "bewältigt":
Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich - bevor es zu einem Prozess kam - mit Spitzer im Streit um angeblich irreführende Aktienempfehlungen geeinigt.
Das größte US-Brokerhaus wird insgesamt 100 Millionen USD zahlen und das Vergütungverfahren bei Analysten ändern, teilte Merrill mit. Im Gegenzug würden die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Bank fallen gelassen.
Spitzer hatte der Bank vorgeworfen, sich mit manipulierten Aktienempfehlungen Honorare von den jeweiligen Unternehmen gesichert zu haben. Dadurch seien Anleger um Millionenbeträge geschädigt worden.
Dot.com-Absolution für 100 Mio. USD
