21.08.2002

DT-BIZ

Bildquelle: dt

"Projekt E hoch 3" gegen den Schuldenberg

Wenn der neue Chef der Deutschen Telekom [DT], Helmut Sihler, heute die Halbjahreszahlen für den Bonner Konzern vorlegt, wird er nicht viel Gutes zu berichten haben.

Denn schlagartig besser ist die Lage seit dem Rausschmiss seines Vorgängers Ron Sommer Mitte Juli nicht geworden: Nach Medienberichten muss das Unternehmen einen Rekordverlust von 3,6 Mrd. Euro für die ersten sechs Monate vermelden.

"Projekt E hoch 3"

Allein durch die Berücksichtigung der im vergangenen Jahr übernommenen US-Tochter VoiceStream wird nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Focus" ein Verlust von drei Milliarden Euro anfallen. Hinzu kommt demnach ein außerordentlicher Verlust von 600 Millionen Euro, da die Telekom die Anteile am Konkurrenten France Telecom neu bewertet habe.

Insgesamt würde damit der bisherige Rekordverlust des Gesamtjahres 2001 von 3,5 Milliarden Euro schon im ersten Halbjahr 2002 übertroffen. Ganz überraschend sind diese Horror-Zahlen nicht: Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick hatte Ende Mai bereits angekündigt, dass im Gesamtjahr 2002 ein Verlust von 5,5 Milliarden Euro wahrscheinlich sei.

Angesichts solcher Zahlen und Schulden von rund 67 Mrd. Euro ist bei der Telekom vor allem eines angesagt: sparen. Allerdings dürften unter dem 72 Jahre alten Sihler, der nur für eine maximal sechsmonatige Übergangszeit eingestellt wurde, bis ein neuer Konzern-Chef gefunden ist, keine Bahn brechenden Kraftakte erwartet werden.

Nach Informationen des "Spiegel" will Sihler unter dem Namen "Projekt E hoch 3" zwar ein neues Kostensenkungsprogramm vorstellen. Wirklich Neues gebe es außer einem schärferen Blick auf die Ausgaben für Betriebsfeiern, Dienstreisen und Gästebewirtungen aber nicht. Es bleibe aber bei Sommers Ziel, bis Ende 2003 den Schuldenstand auf 50 Milliarden Euro zu drücken.

Deutliche Entlastung könnte nach Meinung von Experten ein Partner für die US-Tochter VoiceStream bringen, die im vergangenen Jahr übernommen wurde. Das Unternehmen tut sich als sechstgrößter Anbieter auf dem US-Markt schwer. Aus Unternehmenskreisen wurde am Dienstag bestätigt, dass die Telekom mit mehreren Konkurrenten in den USA spricht. Verhandelt werde mit Cingular Wireless als der Nummer zwei auf dem US-Mobilfunkmarkt ebenso wie mit dem drittgrößten Anbieter AT&T Wireless. Ein Komplettverkauf, über den auch immer wieder spekuliert wird, werde aber nicht ernsthaft erwogen. Vor Ende November sei ohnehin keine Entscheidung zu erwarten.