Deutsche Telekom in Bedrängnis
Erst kürzlich hatte Interimschef Helmut Sihler in einem Interview zugeben müssen, dass sich die Deutsche Telekom in einer "ernsten Lage" befindet. Man steht vor einem Rekordschuldenberg von 67 Milliarden Euro.
Dieser Tage hageln weitere schlechte Nachrichten auf Sihler. Zu diversen gegen ihn, seine [Ex-]Kollegen in der Chefetage und sein Unternehmen laufenden Verfahren [siehe Links ganz unten] haben sich zwei weitere hinzugesellt.
Außerdem berichtet das Magazin "Focus", dass die Halbjahresbilanz der Deutschen Telekom einen noch nie dagewesenen Rekordverlust ausweisen wird.
Aktienkurs wird für maximal 100 Tage angezeigtVoicestream-Wertberichtigung fehlt
Der Konzern wird seine Halbjahresbilanz am kommenden Mittwoch, dem 21. August, veröffentlichen. "Focus" will schon jetzt wissen, dass die Zahlen desaströs ausfallen werden.
Durch die Einbeziehung der US-Mobilfunktochter Voicestream in die Bilanz ergäbe sich im allein im ersten Halbjahr ein Fehlbetrag von drei Milliarden Euro. Dazu kämen weitere 600 Millionen Euro außerordentlicher Verluste, da man den Bilanzwert der am Ex-Partner France Télécom gehaltenen Anteile nach unten habe revidieren müssen.
Somit wäre der Verlust im ersten Halbjahr höher, als der Gesamtverlust des Vorjahres [3,5 Milliarden Euro]. Keineswegs berücksichtigt wurde dabei die von Branchenbeobachtern geforderte Wertberichtigung von Voicestream im zweistelligen Milliardenbereich.
Treueaktionen stützten AktienkursSkandal um Voicestream-Kaufpreis
Durch eine Anzeige hat der Wirtschaftsanwalt Wolfgang Philipp den Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream durch die Deutsche Telekom zu einem Fall für die Justiz gemacht, berichtet der "Spiegel".
Der Vorwurf, DT habe einen extrem überhöhten Kaufpreis für Voicestream bezahlt, wird inzwischen auch vom deutschen Bundesrechnungshof geprüft. [Der Bund ist noch zu rund 31 Prozent Eigentümer der Deutschen Telekom AG.]
Philipp beruft sich den Berichten zufolge auf ein von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO im Auftrag des Amtsgerichtes Bonn erstelltes Gutachten.
Darin wird festgestellt, dass der per 31. Mai 2001 der Telekom noch zu übernehmende 89,5-Prozent-Anteil an Voicestream [zum damaligen Zeitpunkt] einen Mindestwert von 8,8 Milliarden Euro habe [woraus sich laut Phillip ein Voicestream-Gesamtwert von rund 9,2 Milliarden errechnen lässt]. Die Deutsche Telekom hat dem Bericht zufolge jedoch 39,4 Milliarden für Voicestream bezahlt.
Die Wirtschaftsprüfer "BDO"Horrender Preis für eigenes Geld
Doch selbst dieses Gutachten greift laut Phillip noch zu hoch. Von dem geschätzten Wert von 9,2 Milliarden hätte mehr als die Hälfte [5,6 Milliarden] aus einer kurze Zeit zuvor getätigten Einlage der Deutschen Telekom gestammt, wofür der Konzern [stimmrechtslose] Vorzugsaktien erhalten habe.
Damit, so argumentiert Philipp, habe die Telekom überhaupt erst den Wert des Unternehmens geschaffen, das sie dann zu einem horrenden Preis gekauft hat.
Von Seiten der Deutschen Telekom sieht man das laut Spiegel ganz anders. Der Deal mit den Vorzugsaktien und die Übernahme von Voicestream seien zwei getrennte Vorgänge gewesen.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen überhöhter Rechnungen
Derweil hat die Bonner Staatsanwaltschaft offiziell Ermittlungen
gegen die DT wegen Betrugsverdachtes aufgenommen. Wie berichtet,
hatte die Telefonkunden-Gemeinschaft "Communitel" von überhöhten
Telefonrechnungen in Millionenhöhe berichtet. Ein Gutachter hatte
daraufhin bestätigt, dass diese Fehler systembedingt und daher
repräsentativ für alle von dem "rosa Riesen" ausgestellten
Telefonrechnungen seien.
Deutsche Telekom kann nicht abrechnen
