Die Angst geht um vor "Juki Net"
Elf Ziffern hat der Code, unter dem ab morgen, Montag eine umfangreiche Datensammlung jedes Japaners abrufbar sein soll. Dann startet die Regierung "Juki Net", eine Datenbank, in der jeder Bürger zentral registriert wird.
Unter der "Seriennummer" sollen künftig mindestens Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Adresse jedes Bürgers in einer zentralen Datenbank abgelegt werden, zu der Behörden landesweit online Zugang haben. Bisher waren die Daten separat gespeichert und nur den jeweiligen lokalen Behörden zugänglich.
Für zehn Euro kann zudem jeder Japaner eine Chip-Karte mit seinen Daten erhalten. Diese soll er künftig beim Arzt, in der Stadtbücherei oder in der Straßenbahn benutzen können. Der Staat könnte so theoretisch bequem Aufenthaltort und Konsumverhalten seiner Bürger nachvollziehen.
In Österreich geht die Vernetzung der Daten im Zentrale Melderegister längst nicht so weit, wie dies in Japan geplant ist.
Amtsdaten der Österreicher werden vernetztAlles für die Effizienz
Die Regierung in Tokio verfolgt mit dem System nach eigenen Angaben aber natürlich nicht die detaillierte Überwachung ihrer Bürger.
Sie will vor allem die Effizienz der Verwaltung erhöhen. Die öffentliche Hand könne mit dem System jährlich rund 100 Millionen Euro sparen, glauben die Initiatoren.
Das Projekt geht allerdings sogar den Japanern, die ansonsten nicht für ihre revolutionäre Gesinnung bekannt sind, zu weit. Interessenverbände wurden gegründet und sogar ganze Gemeinden sperren sich gegen die Pläne.
Kühe waren zehnstellig
Ministerpräsident Junichiro Koizumi fand sogar einen mit
Schrotkugeln gefüllten Drohbrief auf seinem Schreibtisch. Der
Absender war ein radikaler Nummerncode-Gegner.Bei der BSE-Krise
wurden unsere Kühe mit zehnstelligen Nummern versehen", hieß es
kürzlich in der Erklärung eines Interessenverbands gegen die
Registrierung. "Für die Beobachtung der Menschen hängen sie nun
einfach eine Ziffer an."
Koizumi: Volksnähe durch E-Mail-NewsletterSo ist eben die moderne Welt
Meinungsumfragen zufolge sind 80 Prozent der Japaner gegen das "Juki Net".
Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass den Bedenkenträgern wenige Stunden vor Start des "Juki Net" noch Erfolg beschieden sein wird. Immerhin hat die Regierung bereits über 300 Millionen Euro in das Projekt investiert.
Ministerpräsident Koizumi zumindest denkt nicht an einen Stopp des seit Jahren vorbereiteten Projekts. Für die Proteste einzelner Gemeinden hat er nur Kopfschütteln übrig.
Die Menschen müssten sich nun einmal damit abfinden, dass sich "die Welt im Zeitalter des Internet-Handels und der Informationtechnologie" befindet, beschied der Regierungschef seinen Kritikern vor kurzem.
Aufmüpfiges Dorf
Auch in Yamatsuri, einer kleinen Küstenstadt im Norden von Tokio, sperren sich die Menschen gegen die Pläne: Die rund 7.300 Einwohner des Ortes erklärten, aus Datenschutzgründen nicht an dem Projekt teilnehmen zu wollen. Die Stadtverwaltung erhielt daraufhin knapp 200 E-Mails von Menschen, die gerne nach Yamatsuri ziehen würden. Hunderte weitere Mails ermunterten die Stadt bei ihrem Protest. Mittlerweile hat sich sogar der der Bürgermeister von Tokio gegen das System ausgesprochen.
