Branche erwartet Zerschlagung
Nach der bevorstehenden Ablösung von Vivendi-Chef Jean-Marie Messier, morgen Mittwoch erwartet die Branchenexperten in Paris einen harten Sanierungskurs, um die Schuldenlast des Mischkonzerns von insgesamt 35 Milliarden Euro zu drücken.
Der als Nachfolger von Messier gehandelte Jean-Rene Fortou wird nach Einschätzung der Börse gezwungen sein, Teile des Unternehmens zu verkaufen.
Die französische Großbank BNP Paribas, Großaktionär und Hauptgläubiger, wies Gerüchte über eine akute Liquiditätskrise bei Vivendi zurück. Unter den weltweit rund 380 000 Beschäftigten wächst die Sorge um ihre Arbeitsplätze.
Der Absturz der Aktie setzte sich heute, Mittwoch rasant fort. Zwischenzeitlich fiel die Aktie um gut 17 Prozent und rutschte unter 15 Euro. Sie hatte bereits am Dienstag 25 Prozent verloren. Die Kreditwürdigkeit von Vivendi haben die führenden US-Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's erheblich zurückgestuft.
Vivendi löst Vertrauenskrise an Börsen ausDas Dementi
Von einer Liquiditätskrise könne keine Rede sein, sagte der Chef der Großbank BNP Paribas, Michel Pebereau. Medienberichte, dass Vivendi in den vergangenen Tagen seine drei großen Gläubigerbanken BNP Paribas, Societe Generale und die Deutsche Bank um neue kurzfristige Finanzierungslinien gebeten habe, wollte er nicht kommentieren.
Erwartet wird eine Zerschlagung des von Messier geschmiedeten Konzerns, der durch Aufkäufe über mehr als 100 Milliarden Euro zu einem unübersichtlichen Konglomerat wurde.
Geld weg, Wohnung her
Messier hat nach Informationen des "Wall Street Journal" eine
Abfindung von 18 Millionen Dollar ausgehandelt. Allerdings müsse er
das Appartement in New York wieder zurückgeben, das der Konzern für
ihn im vergangenen Jahr für 17,7 Millionen Dollar gekauft hat.
Messier erhält 18 Mio. Euro AbfindungRechtsschutz für Bilanzkosmektik
Messier soll auch einen Rechtsschutz für eventuelle Prozesse gefordert haben. Ferner soll er von dem Unternehmen verlangt haben, auf jegliche juristischen Schritte gegen ihn zu verzichten.
Die Börsenaufsichtskommission in Paris hat nochmals bekräftigt, dass Vivendi eine Bilanzverschönerung für das Geschäftsjahr 2001 versucht habe.
Die Bankenaufsicht
Die Aufsicht verhinderte jedoch, dass 1,5 Milliarden Euro falsch verbucht wurden. Im vergangenen Jahr hat Vivendi durch Sonderabschreibungen einen Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro ausgewiesen.
