Vivendi löst Vertrauenskrise an Börsen aus
Der hochverschuldete Medienkonzern Vivendi Universal hat am Dienstag an den Finanzmärkten eine schwere Vertrauenskrise ausgelöst.
Der umstrittene Vivendi-Vorstandschef Jean-Marie Messier kündigte seinen Rücktritt an. Versuche der Bilanzmanipulation, die von der Pariser Börsenkommission inzwischen bestätigt wurden, und Überschuldungsängste führten zu Panikverkäufen der Aktie in Paris und Frankfurt.
Der deutsche Leitindex DAX fiel um 3,91 Prozent auf 4195,95 Punkte. Das Vivendi-Papier verlor zeitweise bis zu 40 Prozent auf weniger als 15 Euro. Auch die Wall Street und europäische Börsen wurden von der Vivendi-Krise schwer belastet.
"Herr des Universums" muss zurücktreten
"Ich gehe, damit Vivendi fortbestehen kann", beschwor Messier die
Aktionäre. Messier verlangt nach einem Bericht der französischen
Tageszeitung "Le Monde" unter anderem 12 Millionen Euro Abfindung.
Zudem soll der 45-jährige Franzose über juristischen Schutz vor
möglichen Schadenersatzforderungen verhandeln und über
Erleichterungen zur Rückzahlung von 25 Millionen USD [25,4 Millionen
Euro], die das Unternehmen ihm geliehen hat.
Vivendi-Chef Messier wird abgelöstVersuchte Bilanzmanipulation
Die Ängste der Anleger wurden durch einen Bericht von "Le Monde" verstärkt, wonach Vivendi Universal versucht haben soll, in Zusammenhang mit dem Verkauf der Aktien des britischen Abo-Fernsehens BSkyB die Bilanz 2001 zu manipulieren.
Die französische Börsenkommission habe den Versuch, die Bilanz um 1,5 Milliarden Euro zu schönen, jedoch verhindert.
Vivendi widersprach in einer Stellungnahme dem Bericht und erklärte, die Börsenregeln seien exakt eingehalten worden. Dagegen bestätigte die Börsenkommission am Dienstag ausdrücklich "die in der Presse veröffentlichten Informationen".
Vivendi hat für das vergangene Jahr einen Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro ausgewiesen.
Minus um 25 Prozent auf 17,80 Euro
Die Vivendi-Aktie stürzte rasant, nachdem die Kreditwürdigkeit
des Konzerns durch die US-Ratingagentur Moody's drastisch
herabgestuft wurde. Gegen Börsenschluss wurde ein Minus um 25
Prozent auf 17,80 Euro ausgewiesen. Moody's stellte die Schuldtitel
des Konzerns auf eine Stufe mit hochspekulativen "Junk bonds". Seit
Jahresanfang hat die Aktie mehr als 70 Prozent ihres Wertes
verloren.
Vivendi mit Junk-Bond-StatusFranzösische Großbanken unter Druck
Durch die Erklärung der Ratingagentur Moody's, es bestünden Zweifel, dass Vivendi Universal in der Lage sei, die in den nächsten zwölf Monaten fällig werdenden Kredite zu refinanzieren, geriet auch eine Reihe Aktien französischer Großbanken unter Druck.
Probleme bei Vivendi würden deren Engagements in Gefahr bringen, hieß es.
Nachfolger wird wahrscheinlich Jean-René Fourtou
Nachfolger Messiers wird wahrscheinlich Jean-René Fourtou [63],
Ex-Chef der ehemaligen Rhone-Poulenc, der den Ruf eines harten
Sanierers hat. Im Sog der Krise befürchten die rund 380.000
Beschäftigten von Vivendi Universal nun einen erheblichen
Stellenabbau.
Ein "harter Sanierer" bei Vivendi
