02.07.2002

CEO-NACHRUF

Bildquelle: VU

Vom Wasserversorger zum Medienkonzern

Der umstrittene Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier hat seinem Rücktritt mit der Bedingung zugestimmt, dass sein Nachfolger ein Franzose sein wird. Messier sagte in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro":

"Ich gehe, damit Vivendi überleben kann. Mein Nachfolger kann nur ein Franzose sein."

Messier bestätigte des weiteren, dass er seine Zukunft in die Hände des Verwaltungsrats legen wolle, der am Mittwoch tagen werde. Er appelliert dem Bericht zufolge an den Verwaltungsrat, den hoch verschuldeten Medienkonzern als französisch-amerikanisches Unternehmen zu belassen.

19 Milliarden Euro Schulden

Investoren dürften das Ausscheiden des als temperamentvoll geltenden 45-Jährigen Analysten zufolge begrüßen. "Er hat so viele Fehler gemacht. Wenn jemand anderes die dringend erforderliche Richtung bringen könnte, wäre das eine gute Sache", sagte David Ferguson, Medienanalyst von Barclays Private Clients in London.

Allerdings werde Vivendi Universal auch ohne Messier überlegen müssen, was mit dem Schuldenberg von rund 19 Milliarden Euro zu tun sei. "Die Märkte warten zwar gespannt auf seinen Rücktritt, die Problem aber bleiben", sagte Jacques Antoine Bretteil, Fondsmanager von International Capital Gestion in Paris.

Vom Wasserversorger zum Medienkonzern

Messier hatte die 150 Jahre alte frühere Wasserversorgungsgesellschaft "Generale des Eaux" von einem Staatsunternehmen zum weltweit zweitgrößten Medienkonzern nach AOL Time Warner umgebaut.

Unter anderem gehören die Universal Filmstudios, die Plattengesellschaft Deutsche Grammophon, Internet-Dienste und der Eisenbahnbetreiber Connex zu Vivendi Universal.

Eine Reihe fast unzähliger Akquisitionen bescherte Vivendi Universal unter Messier aber auch den größten Firmenverlust in der Geschichte Frankreichs und einen immensen Schuldenberg.

Der Fall des "Sonnenkönigs"

Seine zahlreichen Kritiker beschrieben Mesier als selbstherrlich und arrogant und nannten ihn "Sonnenkönig". Das "Time"-Magazin rief ihn zum "Herrn des Universums" aus.

Und von einer Satire-Sendung in seinem eigenen Canal Plus wurde er sogar "J6M" getauft: "Jean-Marie Messier moi-même maître du monde" [sinngemäß: Jean-Marie Messier, von eigenen Gnaden Herrscher der Welt].

Daraus entlehnte der medienbewusste Messier allerdings einfach den Titel für sein Buch "J6M.com".