02.07.2002

ENTWISCHT

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Site der al-Qa'ida ist nicht zu fassen

Eine obskure Adresse in Venezuela, ein Free-Mail-Account und eine Zahlungsanweisung an eine Bank in Malaysia reichten aus, um die Website der Terrororganisation al-Qa'ida ins Internet zu bringen.

Und genau wie die flüchtigen Al-Qa'ida-Führer bleibt auch die Site nicht lange an einem Ort, sondern wandert von einem Host zum anderen. In den vergangenen sechs Monaten nutzte sie neben einem Host in Malaysia ironischerweise auch zwei in den USA.

"Zentrum für islamische Studien und Forschung"

Bis vor wenigen Tagen war die Web-Site des "Zentrums für islamische Studien und Forschung" noch auf einem Computer der Firma Liquid Web in Lansing im US-Staat Michigan zu Hause.

Das erste Mal tauchte sie wohl Anfang des Jahres beim malaysischen Web-Hoster Emerge Systems auf. Fünf Monate später, nachdem es einige Beschwerden über den Inhalt der Seite gab, wurde der Zugang gesperrt und die Polizei informiert.

Wenige Tage später tauchte sie wieder auf, diesmal auf einem Rechner von CI Host, einer Firma in Bedford in Texas. Nach Hinweisen wurde sie auch dort abgeschaltet und die Polizei informiert. Nur Stunden später war sie wieder im Netz, auf einem anderen Rechner.

Taliban-Geeks am Werk

Für die Ermittler zeigt dies vor allem eines: Dass diejenigen, die diese Web-Site betreuen, mit dem Internet sehr vertraut sind. Denn sie scheinen auch in der Lage zu sein, immer wieder Sympathisanten auf die neue Adresse aufmerksam zu machen, was meist wohl in Chat-Rooms geschieht.

Das Internet sei ein globales Kommunikationsmittel, und al-Qa'ida als global agierende Terrororganisation nutze es, sagt John Pike von der Gruppe GlobalSecurity.org, die sich mit Sicherheitsfragen beschäftigt.

Pike hält vom sofortigen Löschen der Sites nicht viel. "Wenn ich Anti-Terror-Spezialist wäre, dann würde ich sehr genau beobachten, wer diese Seite besucht. 99 Prozent sind sicher nur Neugierige, aber für das restliche eine Prozent würde sich die Beobachtung lohnen."