Das Funk-Tarnnetz der Taliban
Die von internationalen Hilfsorganisationen als Quasi-Standard verwendeten Funksysteme einer Firma aus dem australischen Hinterland dürften auch in der Kommunikation der Taliban eine wichtige Rolle spielen.
Trotz der mehr als dürftigen Nachrichtenlage gibt es immer mehr Indizien dafür [siehe unten], dass dieses System vor allem aus Tarnungsgründen verwendet wird.
Diese ursprünglich für den Einsatz im australischen Busch entworfenen Kommunikationsysteme der Firma Codan [Adelaide] arbeiten quer über den Kurzwellenbereich [zwei bis 30 MHz], sind einfach zu bedienen und als äußerst robust bekannt.
Bis zu 400 Kanäle
Aus bis zu 400 Sprachkanälen können [auch von Nichttechnikern
über ein grafisches Interface] Subnetze gebildet werden, die
Sendestärke der Basisstationen beträgt bis zu ein Kilowatt.
Die HF-SSB-Systeme von Codan"High-speed data mode"
Über diese der konventionellen Telefonie recht ähnlichen Netze lassen sich auch Daten transportieren. Spitzenwert dieses "High-speed data mode" ist nach Angaben des Herstellers allerdings eine Übertragungsrate von sechs Kilobit/sec [GSM maximal 9,6].
Realistisch in diesem "schmutzigsten" aller Wellenbereiche - von elektrischen Geräten aller Art bis zu Gewittern wird die Kurzwelle aus vielen Quellen massiv gestört - sind Raten von um die tausend Bit.
Allein der Name des benutzten Protokolls zur Fehlerkontrolle ARQ [Automatic Repeat Request] zeigt das Problem schon auf: Dieselben Daten müssen einfach so oft übertragen werden, bis alle Bits fehlerfrei angekommen sind.
Das ARQ-ProtokollUngeschützt, aber getarnt
Geschützt ist diese Kommunikation allerdings nicht. ARQ ist ein offener Standard, die "Single Sideband Band" [SSB]-Modulation [im Unterschied zu AM wird nur die "halbe" Amplitude moduliert] beherrscht jedes bessere Kurzwellengerät.
Eine Verschlüsselung "on the air" ist weder bei Sprache noch bei Datenfunk vorgesehen, womit der Codan-Funk inhaltlich eine relativ einfache Beute für das ECHELON-System der Amerikaner ist.
Warum die Taliban ausgerechnet diese der US-Aufklärung aus Einsätzen im Kosovo und Mazedonien bestens bekannten Funkssysteme verwenden und keines der anderen Produkte mit "On the air"-Verschlüsselung?
Zum einen ist keines davon wirklich als sicher zu bezeichnen, und Schutz bietet auch starke Verschlüsselung in einem Kriegsszenario nicht, in dem bereits die Ortung eines Funksignals genügt, um eine feindliche Stellung zu identifizieren.
Mehr über Kurzwellen-DatenfunkCodan-Radios für plündernde Taliban
Wenn das Signal dem Gegner zweifelsfrei zuzuordnen ist. Dass dies den US-Truppen Anfangs nur schwer gelang, würde den wochenlangen Stillstand zu Beginn des Krieges erklären, zumal die Taliban zum Teil mit Geräten operieren, die von Hilfsorganistionen geraubt wurden.
Beim Abzug aus Mazar-e-Sharif und anderen Städten wurden die Büros der internationalen Hilfsorganisation für Landminenopfer [Omar] systematisch geplündert. Neben Geländewagen standen die Codan-Radios ganz oben auf der Liste der Begehrlichkeit.
Die Plünderungen in Mazar-e-SharifFunk-Mimikry hat funktioniert
Wenigstens in einem Fall ist mittlerweile nachgewiesen, dass diese Funk-Mimikry der Taliban bis zu einem gewissen Grad funktioniert.
Am 8. Oktober wurde das in einem Dorf nahe Kabul gelegene Gebäude der Afghan Technical Consultants - eines technischen Hilfswerks, das im Auftrag der UNO operiert - durch einen Marschflugkörper vollständig zerstört.
Ziel dieses Fehlangriffs, für den sich die USA entschuldigen mussten, war die im Gebäude befindliche Codan-Basisstation.
Die Bombardierung des UNO-Stützpunkts
