Vom Wasserversorger zum Medienkonzern
Der umstrittene Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier hat seinem Rücktritt mit der Bedingung zugestimmt, dass sein Nachfolger ein Franzose sein wird. Messier sagte in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro":
"Ich gehe, damit Vivendi überleben kann. Mein Nachfolger kann nur ein Franzose sein."
Messier bestätigte des weiteren, dass er seine Zukunft in die Hände des Verwaltungsrats legen wolle, der am Mittwoch tagen werde. Er appelliert dem Bericht zufolge an den Verwaltungsrat, den hoch verschuldeten Medienkonzern als französisch-amerikanisches Unternehmen zu belassen.
Vivendi-Titel setzten am Montag zu einer Kursrally an der Pariser Börse an und legten in der Spitze um fast 20 Prozent zu. Zum Schluss lag der Kurs mit 23,90 Euro um 9,23 Prozent im Plus. Mit dem Kursfeuerwerk feierten Investoren Händlern zufolge das scheinbar letzte Kapitel in der zweijährigen Geschichte von der Wandlung eines langweiligen Staats-Versorgers in den zweitgrößten Medienkonzern der Welt.
Vivendi-Chef Messier wird abgelöst19 Milliarden Euro Schulden
Investoren dürften das Ausscheiden des als temperamentvoll geltenden 45-Jährigen Analysten zufolge begrüßen. "Er hat so viele Fehler gemacht. Wenn jemand anderes die dringend erforderliche Richtung bringen könnte, wäre das eine gute Sache", sagte David Ferguson, Medienanalyst von Barclays Private Clients in London.
Allerdings werde Vivendi Universal auch ohne Messier überlegen müssen, was mit dem Schuldenberg von rund 19 Milliarden Euro zu tun sei. "Die Märkte warten zwar gespannt auf seinen Rücktritt, die Problem aber bleiben", sagte Jacques Antoine Bretteil, Fondsmanager von International Capital Gestion in Paris.
Die Ratingagentur Moody's stufte am Montagabend die vorrangig gesicherten Schuldtitel von Vivendi Universal auf den Status "Junk" zurück. Es sei zu bezweifeln, dass das Unternehmen seine Schulden reduzieren könne, hieß es zur Begründung.
Vertrauenskrise nach Kurssturz bei VivendiVom Wasserversorger zum Medienkonzern
Messier hatte die 150 Jahre alte frühere Wasserversorgungsgesellschaft "Generale des Eaux" von einem Staatsunternehmen zum weltweit zweitgrößten Medienkonzern nach AOL Time Warner umgebaut.
Unter anderem gehören die Universal Filmstudios, die Plattengesellschaft Deutsche Grammophon, Internet-Dienste und der Eisenbahnbetreiber Connex zu Vivendi Universal.
Eine Reihe fast unzähliger Akquisitionen bescherte Vivendi Universal unter Messier aber auch den größten Firmenverlust in der Geschichte Frankreichs und einen immensen Schuldenberg.
Als Messier seinen Plan von einem transatlantischen Medienriesen mit Standbeinen in Frankreich und den USA entwarf, runzelten nicht wenige Analysten die Stirn. Andere klatschten indes begeistert Beifall, als er seine Vivendi und den französischen Bezahl-Fernsehsender und Kino-Produzenten Canal Plus mit dem kanadisch-amerikanischen Medienkoloss Seagram verschmolz. Das alte Firmenkonglomerat um den 1853 gegründeten Wasseranbieter Compagnie Générale des Eaux sei tot, freute sich Messier, als die Europäische Kommission im Oktober 2000 seinen Fusionsplan unter Auflagen absegnete. Doch die vermeintliche Traumehe zwischen Hollywood und Paris wurde erkauft - und dies ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Börsen-Euphorie.
Vivendi-Universal-Dreierfusion fixiertDer Fall des "Sonnenkönigs"
Seine zahlreichen Kritiker beschrieben Mesier als selbstherrlich und arrogant und nannten ihn "Sonnenkönig". Das "Time"-Magazin rief ihn zum "Herrn des Universums" aus.
Und von einer Satire-Sendung in seinem eigenen Canal Plus wurde er sogar "J6M" getauft: "Jean-Marie Messier moi-même maître du monde" [sinngemäß: Jean-Marie Messier, von eigenen Gnaden Herrscher der Welt].
Daraus entlehnte der medienbewusste Messier allerdings einfach den Titel für sein Buch "J6M.com".
