"Kunden treiben technologische Entwicklung"
"Wir durchschreiten einen großen architektonischen Wandel", sagte die Chefin des weltweit zweitgrößten Computerkonzerns Carly Fiorina am späten Montag Nachmittag bei ihrer Rede in der Wiener Hofburg.
Das erste Mal in der Geschichte dieser Industrie würden die Kunden die technologische Entwicklung antreiben.
"Sie sind am Hebel, wir hören auf Sie, mehr als dass wir mit Ihnen sprechen", so die HP-Chefin im nicht ganz voll besetzten Festsaal der Hofburg.
Lösungen und nicht Produkte
Man solle sich darüber im Klaren sein, dass dieser Wandel genau
so groß und wichtig sei, wie der Wandel von der vertikal
integrierten, zentralisierten Datenverarbeitung zur
dezentralisierten, verteilten, Netzwerk-Datenverarbeitung. "Und sein
Einfluss auf die Zukunft dieser Industrie wird genau so gründlich
sein", so Fiorina. Kunden wollten in Wirklichkeit Wahlmöglichkeit,
Flexibilität, Interoperabilität, geringere Kosten und Komplexität,
Lösungen und nicht Produkte.
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Technologieunternehmen werden in Zukunft laut Fiorina dazu gezwungen werden, sich entweder zu spezialisieren oder ihre Kapazitäten so weit auszubauen, um Komplettanbieter werden zu können. Mit der Fusion mit Compaq habe man das zweite Ziel verfolgt.
"Bei HP wissen wir, entweder wir bestimmen diesen Trend oder wir werden von ihm fortgespült", so die HP-Chefin, zeigte sich aber überzeugt, dass HP die "architektonischen Verschiebung" in Richtung offener, auf industriellen Standards basierender IT-Architektur, anführen werde.
"Wir werden der Lösungsanbieter, der ihnen das liefert, was sie am meisten wünschen - Freiheit der Wahl", sagte Fiorina.
Nach der Fusion: HP gibt Produktpalette bekanntSchüssel zu IT-Trends
Vor ihrer Rede war Fiorina noch mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zusammengetroffen.
"Österreich ist daran interessiert, mit der Spitze der Welt mitzuhalten", sagte Bundeskanzler Schüssel nach dem Gespräch mit Fiorina. Das "sehr gute Gespräch", das über eine Stunde gedauert hat, habe sich mit den neuesten Tendenzen in der IT-Industrie und dem E-Government beschäftigt.
"Diese Themen sind für uns von ganz besonderer Bedeutung", sagte Schüssel. Einige Schritte in diese Richtung seien bereits gesetzt worden. "Interconnectibilität wird ein ganz großes Thema sein", sagte Schüssel, der die HP-Chefin auch nach Salzburg eingeladen hat, um am Rande der Festspiele am Dialog Wirtschaft, Politik und Kunst teilzunehmen.
HP-Chefin Fiorina wies darauf hin, dass der neue HP-Compaq-Konzern ein wichtiges Thema des Gespräches gewesen sei, der auch ein führendes Unternehmen in Österreich sei. Man habe gemeinsame E-Government-Projekte angesprochen, vor einer Umsetzung sei es aber wichtig, über den Zweck der Technologie zu sprechen, so die HP-Chefin. Österreich sei ein wichtiger Markt für die neue HP - nicht zuletzt, weil sich hier das Headquarter für Zentral- und Osteuropa befinde.
HP-Chefin Fiorina traf Kanzler Schüssel
