23.06.2002

INVERS

Bildquelle: zomb

Erst kommt die Moral, dann das Fressen

Deutschlands größter Medienkonzern, Bertelsmann, will nach den Worten von Vorstandschef Thomas Middelhoff auf den Verkauf "gewaltorientierter Computerspiele" auch in Zukunft verzichten.

Wenn der Erfolg bei derartigen Spielen davon abhänge zu töten, sinke die Hemmschwelle, Gewalt auch im wirklichen Leben einzusetzen, sagte Middelhoff am Samstag bei der Verleihung des Medienpreises der Johanna-Quandt-Stiftung in Gravenbruch bei Frankfurt:

Das Böse aus dem Netz

Als Reaktion auf den Amoklauf eines ehemaligen Schülers des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums Ende April forderte der Bertelsmann-Chef eine gemeinsame Initiative von Medien, Eltern und Lehrern gegen die Darstellung von Gewalt.

Die Medien sollten sich selbst verpflichten, bei der Darstellung von Gewalt bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten, sagte Middelhoff, zu dessen Medienunternehmen auch der Fernsehsender RTL gehört:

"Aber selbst wenn wir in Zukunft stärker mit Verboten agieren würden, so präsentiert sich das Internet immer noch als unerschöpfliche Quelle illegaler, größtenteils auch privat produzierter Hassmusik oder brutaler Videospiele, die nur sehr schwer in den Griff zu kriegen sind."

Deshalb müssten die Lehrer dazu beitragen, dass ihre Schüler bei der Auswahl von Angeboten aus dem Internet aufgeklärt und kompetent vorgehen. "Aber vor allem die Eltern müssen ihre Verantwortung tragen. Sie sollten den Medienkonsum ihrer Kinder kritisch begleiten", forderte Middelhoff.