Britische Armee trainiert am Computer
Nach den US-Marines, die ihre Fertigkeiten mit einer Computer-Kampftrainingssimulation auf der Basis der beliebten Taktik-Kriegssimulation "Operation Flashpoint" trainieren, werden sich ab sofort auch britische Soldaten am Computer auf ihre Einsätze vorbereiten.
Die britische Armee nutzt dazu eine speziell für sie entwickelte Version von "Half-Life". Mit dem 3D-Shooter können die Soldaten neue Waffen und Taktiken üben, ohne überhaupt erst mit echten Waffen in Berührung zu kommen.
Das Verteidigungsministerium hofft, dadurch den Inhalt bereits absolvierter traditioneller Trainingsstunden aufzufrischen.
US-Marines trainieren mit "Operation Flashpoint"
Das den Marines vorbehaltene Kriegsszenario hört auf den Namen
"Virtual Battlefield System 1" [VBS1]. Die Öffentlichkeit soll VBS1
jedoch nie zu Gesicht bekommen: Die Simulation wurde als "strictly
confidential" eingestuft und ist nur US-Marines vorbehalten. Es
besteht jedoch die Möglichkeit, dass einige Weiterentwicklungen und
Einheiten irgendwann per Upgrade den "Operation
Flashpoint"-Besitzern nachgereicht werden.
Training auf dem virtuellen SchlachtfeldZwei Teams zu je vier Spielern
Wie bei der Modifikation "Counter-Strike" können in der Army-Version des Spiels bis zu acht Soldaten gleichzeitig am virtuellen Kampfgeschehen teilnehmen.
Zwei Teams zu je vier Spielern treten gegeneinander an. Die Einheiten müssen ihre Feinde erst aufspüren und sich ihnen dann im Kampf stellen.
Major Bruce Pennell zeigt sich nach ersten Tests sehr zufrieden mit den Fortschritten seiner Soldaten. "Die Burschen nehmen die Sache sehr ernst. Sie sind am Computer äußerst engagiert und wollen natürlich, wie im wahren Training auch, gewinnen.
Wenn man virtuell getötet wird, ist das natürlich nicht so ernst zu nehmen. Wir haben schließlich keine virtuellen Beamten, die dann eine Mitteilung an die virtuellen Eltern des Verstorbenen schicken, aber wir hoffen doch, dass das Game authentisch genug ist, um das bisher Gelernte noch zu verstärken."
"Half Life: Counter-Strike"
"Counter-Strike" war zuletzt nach dem Massaker von Erfurt ins
Gerede gekommen, weil der 19-jährige Schütze es angeblich vor seiner
Tat gespielt haben soll. Nach eingehender Prüfung hatte die
Bundesprüfanstalt für jugendgefährdende Schriften jedoch
entschieden, das Spiel nicht auf den Index zu setzen, weil eine
"verrohende Wirkung" nicht gegeben sei.
Keine Indizierung von "Counter-Strike"Game Over bei einem Treffer
Manche Funktionen von "Half Life" mussten von dem Technologie-Unternehmen QinetiQ, das das Spiel teilweise weiterentwickelt hat, entfernt werden, um Fehlern im echten Kampf vorzubeugen.
"In einem Standard-Shooter verliert der Spieler, wenn er getroffen wird, ein paar Prozent seiner Gesundheit. In der Army-Version ist für den Soldaten natürlich bereits nach einem Treffer das Spiel vorbei," sagt Chris Morris von QinetiQ.
QinetiQFehlerfreie virtuelle Umgebung
Das Verteidigungsministerium ist derzeit dabei, das System auszuwerten. Eine mögliche weitere Anwendung wäre, die Truppen konkrete Missionen vorher auf den "echten" Schauplätzen am Computer trainieren zu lassen, bevor man sie wirklich angeht.
Doch Major Pennell warnt vor den Gefahren dieser Übung: "Nur auf das simulierte Training am Computer zu vertrauen, wäre nicht sinnvoll. Man müsste die virtuelle Umgebung präzise und fehlerfrei dem echten Kampfgebiet anpassen.
Denn was wir verhindern wollen ist, dass sich ein Soldat dann in der realen Situation nach einer Tür umdreht, die im Spiel vorhanden war, und in Wirklichkeit ist sie gar nicht da."
