Microsoft will Java endgültig fallen lassen
Microsoft hat angekündigt, ab 2004 die systemunabhängige Programmiersprache Java komplett fallen zu lassen und ab dann auf jegliche Unterstützung der Sun-Technologie zu verzichten.
Gleichzeitig hieß es allerdings, dass das nächste Windows-XP-Update Java-Unterstützung beinhalten soll - allerdings zeitlich begrenzt bis 2004.
Sun und Microsoft haben um Microsofts Java-Politik schon erbittert vor Gericht gestritten, und auch im laufenden Kartelprozess spielt diese eine Rolle. Microsoft-Sprecher Jim Cullinan bezeichnete den zeitlichen Zusammenfall der Ankündigung, Java endgültig fallen zu lassen, und dem heutigen Beginn der Schlussplädoyers im Kartellprozess dementsprechend als "unglücklich".
Der Kartellrechtsprozess gegen Microsoft geht gerade in seine Endphase. Nach dreimonatiger Verhandlung beginnen heute in Washington die Schlussplädoyers.
Schlussplädoyers in MS-KartellprozessAus Sicherheitsgründen
Microsoft begründete seine Entscheidung gegen Java mit Sicherheitsfragen: "Wenn es ein Problem oder eine Lücke gibt, können wir dies nicht selber lösen," erläuterte Cullinan.
Letztendlich ist Sun laut Cullinan selbst an dieser Situation schuld, da es 1997 einen Prozess gegen Microsoft anstrengte, weil MS eine eigene Java-Version entwickelt hatte.
Bill Gates hat im April vor Gericht erstmals eingeräumt, dass Java eine Bedrohung der Windows-Plattform dargestellt hat. In seiner schriftlichen Ausführung hatte Gates noch erklärt, Java hätte "angeblich" das Potenzial gehabt, die Vormachtstellung von Windows zu bedrohen. "Wenn es hilfreich ist, streiche ich gerne das Wort 'angeblich'", sagte Gates.
Bill Gates im KreuzverhörDer Java-Prozess
Der dreijährige Rechtsstreit um Microsofts Lizenzierung von Suns Java-Technologie schien Anfang 2001 zunächst gelöst: Das Gericht entschied, dass MS 20 Millionen USD zahlen und auf das Java-Logo sowie auf die Bezeichnung "Java-kompatibel" in seinen Produkten verzichten müsse.
Ein neuer Lizenzierungsvertrag befristete eine Verwendung Javas in Microsofts Produkten zudem auf sieben Jahre.
Sun hatte Microsoft beschuldigt, Java um einige Befehle erweitert zu haben. Diese würden eine Anbindung an Windows-eigene Elemente erlauben und so mit der plattformübergreifenden Kompatibilität von Java brechen. Diese Modifikation der Java-Technologie lief Sun zuwider und führte 1997 zu der Klage gegen Microsoft, nach der MS ein Java-Derivat entwickelt hat, das lediglich von Windows unterstützt wird.
Rechtsstreit um Java beigelegtStreit geht weiter
Trotz dieser Einigung hat Sun Microsoft im März erneut verklagt: Sun verlangt jetzt eine Ausgleichszahlung von mehr als einer Milliarde USD für den Ausschluss von Sun-Produkten aus Windows.
Mike Morris, Rechtsbeistand von Sun Microsystems, sagte damals, dass der Einsatz von Java in allen Betriebssystemen gefordert werde.
Sun will eine Mrd. USD von Microsoft
