04.06.2002

MEDIEN-HANDEL

Bildquelle: libro

Letzter Akt im Libro-Drama

Ein Konkurs der angeschlagenen Buch- und Medienhandelskette Libro ist scheinbar kaum mehr abzuwenden.

Heute werden insgesamt 2.380 Mitarbeiter von Libro [1.850 Betroffene] und der Buchhandelskette Amadeus [530 Betroffene] im Rahmen des Frühwarnsystems zur Kündigung angemeldet. Damit könnten die ersten Kündigungen Anfang Juli erfolgen.

Im Falle eines Konkurses werden alle Mitarbeiter gekündigt und abgefertigt, gegebenenfalls von einem neuen Investor übernommen.

Konkurs am Freitag möglich

Am Donnerstag ist noch einmal ein Gipfel mit allen Gläubigerbanken angesetzt. Dort wird das Schicksal der Buch- und Medienhandelskette wohl endgültig entschieden. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Libro in den nächsten Tagen doch noch zu retten wäre: Entweder die Banken räumen entgegen ihren Ankündigungen Libro doch noch Kredite ein. Oder aber es findet sich ein Käufer.

Beide Varianten schienen zuletzt jedoch schon sehr unwahrscheinlich. Kolportiert wurde, dass es zwei Interessenten gäbe. Einer davon sei der oberösterreichische Papier- und Bürowarenhändler Anton Starlinger mit seiner Firma PBS Austria. Mehr zu möglichen Interessenten war nicht durchgesickert.

Sollte der Donnerstags-Gipfel scheitern, sei relativ kurzfristig möglicherweise schon am Freitag mit einem Konkursantrag zu rechnen, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Spätestens werde man aber den Antrag beim Landesgericht Wiener Neustadt Anfang der kommenden Woche einbringen. Im Falle eines Konkurses leben jedenfalls die alten Forderungen aus dem Ausgleich wieder auf.

Der Kreditschutzverband von 1870 [KSV] schätzt die Passiva auf zumindest 350 Millionen Euro, dazu kommen voraussichtlich noch Schadensersatzansprüche aus Mietverträgen.

Fortgesetztes Drama

Libro, vor wenigen Jahren noch Senkrechtstarter an der Börse, ist durch eine überzogene Expansion vor allem in Deutschland und durch misslungene Internetaktivitäten zunächst in den Ausgleich geschlittert, jetzt droht das endgültige Aus.

Schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management der Libro AG wurden unter anderem schon in einem Prüfbericht, der von den Ausgleichsverwaltern des Buch- und Medienkonzerns erstellt wurde, Ende letzten Jahres erhoben.

Das erste Konkursverfahren ist demnach "um Monate, wenn nicht Jahre" verspätet angemeldet worden: "Die dramatische negative Ertragslage hätte bereits im Mai 2000 zu einem Verlust des bilanziellen Eigenkapitals geführt", hieß es in dem Bericht.