Der Kampf um die Privatkopie
"Was die Privatkopie betrifft, ist hier die Mentalität eingerissen, dass man glaubt, einen Anspruch auf kostenlose Informationen zu haben, die aber Urheberrechte beinhalten", so Elmar Hucko, Leiter der Abteilung Handels- und Wirtschaftsrecht im deutschen Bundesministerium für Justiz.
Im Moment arbeiten die Beamten gerade an der dritten Version der Gesetzesvorlage.
Das neue Urheberrechtsgesetz sieht für bestimmte bevorzugte Gruppen zahlreiche Ausnahmen vor. Für ganz normale Nutzer gibt es aber keine Regelung, wie diese von dem ihnen eigentlich zugestandenen Recht auf die Privatkopie Gebrauch machen können, wenn Inhalte durch Kopierschutztechnologien verschlossen sind.
EU-Urheberrechtsrichtlinie
Im Sommer letzten Jahres wurde eine EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft beschlossen. Die Urheberrechtsbestimmungen der EU-Länder sollten vereinheitlicht und den Gegebenheiten des digitalen Zeitalters angepasst werden. Bis Ende dieses Jahres muss die Richtlinie in das nationales Recht der Mitgliedsländer umgesetzt werden. In Österreich liegt noch kein Entwurf vor.
Wem das Wissen gehört
In Deutschland melden sich im Zuge dieser Umsetzungen vermehrt kritische Stimmen zu Wort, die im Gesetzesentwurf einseitig die Interessen der Urheberrechtsindustrie nach mehr Schutz ihrer Verwertungsinteressen verwirklicht sehen
Informationswissenschafter äußern ernste Bedenken zu den Auswirkungen des geplanten Gesetzes auf Wissensordnung und Informationsfreiheit des digitalen Zeitalters. Bibliotheken sehen ihre Arbeit bedroht. Aktivisten gründen eine Initiative zur Rettung der Privatkopie.
"Ich glaube nicht, dass hier primär der
Standpunkt der Bibliotheken oder Wissenschaft im Vordergrund stehen muss, sondern zunächst mal, dass der Urheber für seine Leistung eine faire
Vergütung bekommt", betont Elmar Hucko vom deutschen Justizministerium.
Musikindustrie gegen Recht auf KopienLobby für User
Als Reaktion auf den Referentenentwurf zur Novellierung des deutschen Urheberechtsgesetzes, hat sich jetzt die Netz-Bürgerinitiative gegründet. Jeanette Hofmann, Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin spricht für die Initiative "Rettet die Privatkopie".
Auf der Website kann man einen offenen Brief an die Deutsche Bundesregierung abschicken und sich umfassend zum Thema informieren.
Rettet die PrivatkopieBei einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin wurde unter dem Titel "Digitales Urheberrecht zwischen Information-Sharing und Information-Control" über die Spielräume des öffentlichen Interesses an Wissen diskutiert. Elmar Hucko, vom deutschen Justizministerium, Rainer Kuhlen, Professor für Informationswissenschaft in Konstanz, Gabriele Beger, Leiterin der Landesbibliothek in Berlin, Volker Grassmuck, Medienforscher an der Humboldt-Universität und Jeanette Hofmann, Sprecherin der Initiative "Rettet die Privatkopie" erörtern in matrix die Tücken der EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft.
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