Musikindustrie gegen Recht auf Kopien
Die deutsche Musikbranche hat im vergangenen Jahr erwartungsgemäß einen Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent verzeichnet und führt das vor allem auf das immer stärker verbreitete private Brennen von CDs zurück.
"Das massenhafte unkontrollierte Kopieren von CDs hat sich zu einer echten Bedrohung für die Musikwirtschaft entwickelt und im letzten Jahr zu drastischen Umsatzverlusten geführt", sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände [ifpi], Gerd Gebhardt.
Gebhardt forderte deshalb erneut eine Anpassung des Urheberrechts: Es dürfe keinen Anspruch auf Vervielfältigung geben. Bisher ist das Kopieren für den privaten Gebrauch erlaubt. Auch die EU-Copyright-Richtlinie, die in diesem Jahr jeweils in nationale Gesetze umgesetzt werden muss, hält an diesem Recht fest.
Der Branchenumsatz sei 2001 um 10,2 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro geschrumpft. Der Absatz sank um rund 8,4 Prozent. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr rund 22 Millionen CDs, LPs, Singles und Kassetten weniger über die Ladentische.
ifpi.at: Kopierschutz ist ein "Notwehrakt"Alben nicht mehr gefragt
Besonders drastisch war der Rückgang den Angaben zufolge bei den CD-Alben, von denen 2001 mit nur noch 173,4 Millionen Stück rund 10,8 Prozent weniger verkauft wurden.
Einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbandes zufolge wurden gleichzeitig 182 Millionen CD-Rohlinge mit Musik bespielt. Damit seien in Deutschland erstmals mehr CDs privat gebrannt als kommerziell bespielte Alben im Handel verkauft worden, sagte Gebhardt.
Mehr gebrannte Musik-Rohlinge als CDsAbschaffung des Kopierrechts gefordert
Als Problem sieht die Branche auch das Herunterladen von kostenloser Musik aus dem Internet. Knapp fünf Millionen Fans hätten sich der Umfrage zufolge im vergangenen Jahr im Web mit Musikstücken eingedeckt. Das schlage sich vor allem auf den Absatz von Singles nieder, von denen 4,9 Prozent weniger verkauft wurden.
"Wäre diese Musik gekauft worden, hätte sie einen Umsatzwert von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt und damit den Jahresumsatz der Branche bei weitem überstiegen", sagte Gebhardt.
Er räumte jedoch ein, dass nicht jede Kopie auch tatsächlich einem der Branche entgangenen Kauf entspreche. "Aber die Größenordnung des Problems ist erkennbar."
