Werbesoftware chattet mit Kindern
Das US-Unternehmen ActiveBuddy ist einer der aktivsten Entwickler von so genannten "Bots".
Im Zuge von raffiniertem Instant-Messenger [IM]-Marketing entwickeln sie nun Software, die speziell Kinder ansprechen soll.
Diese automatisierte Software ist meist in der Lage, einem Kind vorzuspielen, es sei ein realer Chat-Freund. Dabei geht es aber keineswegs darum, soziale Kontakte zu knüpfen: Ziel ist es, geschickt Produkte zu verkaufen.
Was ist ein Bot?
Allgemein ausgedrückt ist ein Bot [Kurzform von Roboter] eine Art automatisierter Software. In virtuellen Welten werden solchen Bots oft synthetische Körper verliehen. Die Gestalt gewordenen Bots kommunizieren dann mit realen Teilnehmern mittels automatisierter Interaktionsmuster.
Virtuelle Marktschreier
Die virtuellen Marktschreier haben im IM einen viel versprechenden Weg gefunden, ihre Zielgruppe direkt anzusprechen.
Die ActiveBuddy-Bots kümmern sich nicht groß um künstliche Intelligenz. Sie basieren auf einem System von Stichwörtern und Sprachmustern, was öfter zu kuriosen Gesprächen führen kann.
Fragt ein Kind beispielsweise danach, ob es "cool ist", wird der dümmliche, aber stets freundliche Bot antworten: "Weiß nicht. Was glaubst Du?"
Kinder sind anfällig für Werbung
Seit den 60er Jahren ist bekannt, dass Kinder Schwierigkeiten
beim Unterscheiden von Information und Werbung haben. Seitdem
versuchen Unternehmen die Zielgruppe "Kind" spielerisch
anzusprechen. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Allein in den USA
haben im Jahr 2001 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren 35
Milliarden USD ausgegeben.
Kinder wollen bunte WebsitesKinder sehen Bots als "echte" Freunde
Kinder lieben es, Werbefernsehen zu schauen, und beginnen bereits im Alter von zwei Jahren, zwischen verschiedenen Produktmarken zu unterscheiden. Doch den Kindern ist auch bewusst, dass die Werbung im Fernsehen als solche zu sehen ist. Sie ist als solche gekennzeichnet und erkennbar.
Die Gefahr bei der neuartigen Form des IM-Marktings ist, dass die Kinder die virtuellen Bots als echte Personen, sogar als Freunde ansehen und deren Botschaften weit mehr Wert beimessen als herkömmlicher Werbung.
70 Prozent der im Internet surfenden Kinder nutzen einen IM.
Finanzieller Erfolg zählt
Emily Lenzner, PR-Leiterin bei ActiveBuddy, versteht die Sorge um
die Kinder. Sie sagt, dass die Bots eigentlich als wertvolle Tools
zum spielerischen Lernen gedacht waren. Doch für ein Start-up zähle
in erster Linie der finanzielle Erfolg seiner Software.
ActiveBuddyChatten mit einem Buddy-Bot
Die Gespräche sind im Moment noch nicht wirklich aufschlussreich, aber die Software ist schlagfertig und ähnelt in der Sprache dem typischen IM-Slang.
Doch wenn sich die Technologie weiter verbessert, werden diese Unterhaltungen immer natürlicher, die Bots werden mehr auf die Gesprächspartner eingehen können - und so auch wesentlich überzeugender bei der Übermittlung ihrer Werbebotschaft sein.
