11.04.2002

HAILSTORM

Bildquelle: ms

Schlappe für Microsofts Netz-Strategie

Microsoft hat ohne große Ankündigungen seine Pläne für Online-Services aufgegeben, die eigentlich der zentrale Bestandteil der ".NET"-Strategie werden sollten.

Die als "Hailstorm" angekündigten und zwischenzeitlich in ".Net My Services" umbenannten Dienste sollten es Anwendern ermöglichen, nach einer einmaligen Identifikation über Microsofts "Passport"-Service auf eine persönliche Sammlung von Daten und Diensten zurückzugreifen.

Hier sollten sich zum Beispiel Kalender-, Online-Banking-, E-Commerce- und sogar Gesundheitsdaten finden, wobei Microsoft Kooperationen mit Banken, Reisebüros und anderen Unternehmen anstrebte.

Offensichtlich ist das ".Net My Services"-Projekt jetzt allerdings genau am mangelden Kooperationswillen gescheitert.

Nicht genug Vertrauen

Nach neun Monaten hat Microsoft jetzt die erfolglose Suche nach kooperationswilligen Partnern aufgegeben und auch gleich die Konsequenz gezogen und ".Net My Services"in der geplanten Form stillschweigend zu den Akten gelegt.

Potenzielle Partner hatten offensichtlich kein Interesse daran, den Kontakt zu ihren Kunden über eine Zwischenstation, die Microsoft verwaltet, abzuwickeln.

Neben generellen Einwänden gegen ein solches Modell mag dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass das Vetrauen in die Sicherheit der sensiblen Kundendaten nicht voll gegeben ist - Microsofts Pasport-Service steht wegen solcher Bedenken schon seit geraumer Zeit in der Kritik.

"Es gab sehr heftige Widerstände der [Unternehmens-] Kunden", gestand ein .NET-Manager, der anonym bleiben wollte, jetzt gegenüber der "New York Times".

Microsoft sucht Alternativen

Neben dem Mangel an Kooperationspartnern haben die ".Net My Services" aber auch von Entwicklerseite keine große Unterstützung erfahren.

Auf der MS-Entwicklerkonferenz im letzten Herbst waren die ".Net My Services"-Veranstaltungen jedenfalls nur sehr spärlich besucht.

Trotz des eindeutigen Scheiterns des Dienstes, der immerhin die Kernfunktion für Konsumenten der .NET-Strategie werden sollte, hat Microsoft die Grundidee allerdings nicht völlig aufgegeben und überlegt derzeit, wie der Dienst modifiziert werden könnte, um bei Entwicklern und potenziellen Partenern auf mehr Akzeptanz zu stoßen.