09.04.2002

JOHN P. BARLOW

Bildquelle: icann

"Cyberspace ist Dialog der Kulturen"

Sechs Jahre nach seiner "Unabhängigkeitserklärung für den Cyberspace" veröffentlicht Netz-Aktivist John Perry Barlow nun das "Manifest von Accra" [benannt nach dem jüngsten Tagungsort der ICANN in Ghana].

Seine wichtigste Botschaft: Die ICANN muss so dezentral organisiert sein wie das Internet.

ICANN-Geschäftsführer Stuart Lynn plant unterdessen allerdings mehr Regierungseinfluss zuzulassen und gleichzeitig die demokratische Wahl eines Teils der Vorstandsmitglieder wieder einzustellen. Laut Lynn ist der Versuch, die ICANN ohne jeden Regierungseinfluss zu betreiben, "eindeutig gescheitert".

Barlow verlangt Dezentralisierung

Der Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation [EFF], Barlow, schlägt in dem an die ICANN-Direktoren geschickten "Manifest von Accra" eine weitgehende Dezentralisierung der Internet-Selbstverwaltung vor. Deren Träger müssten Nutzergemeinschaften rund um die Top-Level-Domains [TLD] im Internet sein.

"Die ICANN ist überzentralisiert", kritisiert Barlow.

Zudem trage der Sitz im kalifornischen Marina del Rey ebenso wie der große Einfluss amerikanischer Firmen zu dem Irrglauben bei, dass es sich beim Internet um eine Angelegenheit der USA handle.

"Cyberspace ist Dialog der Kulturen"

Das Accra-Manifest des ehemaligen Song-Schreibers von "Grateful Dead" ist immer noch von der gleichen Überzeugung wie die Unabhängigkeitserklärung von 1996 getragen.

"Der Cyberspace ist kein Ort, sondern ein Dialog der Kulturen", schreibt Barlow in der Zusammenfassung seiner Erklärung.

Nächste ICANN-Konferenz im Juni in Bukarest

Die Entscheidung über die weitere Entwicklung der ICANN ist zunächst einmal vertagt.

Ein Reformausschuss soll bis Ende Mai Empfehlungen zur Neuorganisation vorlegen.

Diese sollen dann auf der nächsten ICANN-Konferenz im Juni in Bukarest beraten werden.