"Cyberspace ist Dialog der Kulturen"
Sechs Jahre nach seiner "Unabhängigkeitserklärung für den Cyberspace" veröffentlicht Netz-Aktivist John Perry Barlow nun das "Manifest von Accra" [benannt nach dem jüngsten Tagungsort der ICANN in Ghana].
Seine wichtigste Botschaft: Die ICANN muss so dezentral organisiert sein wie das Internet.
ICANN-Geschäftsführer Stuart Lynn plant unterdessen allerdings mehr Regierungseinfluss zuzulassen und gleichzeitig die demokratische Wahl eines Teils der Vorstandsmitglieder wieder einzustellen. Laut Lynn ist der Versuch, die ICANN ohne jeden Regierungseinfluss zu betreiben, "eindeutig gescheitert".
Die oberste Aufsichtsbehörde über die Vergabe von Top-Level-Domains setzt sich aus 19 unabhängigen ICANN-Direktoren zusammen. Fünf der 19 Direktoriumsmitglieder wurden im November 2000 nach einem umstrittenen Verfahren von den Internet-Nutzern gewählt.
Wie das Netz zukünftig "regiert" wirdBarlow verlangt Dezentralisierung
Der Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation [EFF], Barlow, schlägt in dem an die ICANN-Direktoren geschickten "Manifest von Accra" eine weitgehende Dezentralisierung der Internet-Selbstverwaltung vor. Deren Träger müssten Nutzergemeinschaften rund um die Top-Level-Domains [TLD] im Internet sein.
"Die ICANN ist überzentralisiert", kritisiert Barlow.
Zudem trage der Sitz im kalifornischen Marina del Rey ebenso wie der große Einfluss amerikanischer Firmen zu dem Irrglauben bei, dass es sich beim Internet um eine Angelegenheit der USA handle.
Unterstützung von Müller-Maguhn
Das unterstützt auch der deutsche ICANN-Direktor Müller-Maguhn,
der an der Erstellung von Barlows Manifest beteiligt war. "Für mich
ist entscheidend, dass die Vernetzung von Benutzern vorankommt, um
digitale Bürgerrechte in den Datennetzen zu verwirklichen", sagte
Müller-Maguhn. Solche Gruppen und Kontexte könnten dann auch
außerhalb der ICANN zur Gestaltung der Netzgemeinden zusammenwirken.
Deutscher gewinnt ICANN-Wahl für EU"Cyberspace ist Dialog der Kulturen"
Das Accra-Manifest des ehemaligen Song-Schreibers von "Grateful Dead" ist immer noch von der gleichen Überzeugung wie die Unabhängigkeitserklärung von 1996 getragen.
"Der Cyberspace ist kein Ort, sondern ein Dialog der Kulturen", schreibt Barlow in der Zusammenfassung seiner Erklärung.
Nur wenn diesen Werten des kulturellen Austauschs mit den Mitteln der elektronischen Kommunikation Rechnung getragen werde, könne die ICANN eine moralische Autorität beanspruchen.
"The Accra Manifesto" von 2002 [Englisch]Nächste ICANN-Konferenz im Juni in Bukarest
Die Entscheidung über die weitere Entwicklung der ICANN ist zunächst einmal vertagt.
Ein Reformausschuss soll bis Ende Mai Empfehlungen zur Neuorganisation vorlegen.
Diese sollen dann auf der nächsten ICANN-Konferenz im Juni in Bukarest beraten werden.
