Microsoft verhindert den "Lego-PC"
Im US-Kartellprozess gegen Microsoft ist John Borthwick, Vizepräsident von AOL, als Zeuge der Anklage aufgetreten.
Borthwick behauptete dort, dass PC-Hersteller wie Compaq, Dell und Hewlett-Packard von Microsoft daran gehindert würden, modifizierte Modelle oder Sondereditionen zu produzieren, auf denen auch die Windows-Oberfläche angepasst wäre.
Zur Illustration seiner Vorwürfe zeigte Borthwick den Prototypen eines "Lego-PC", der allerdings nach derzeitigen Microsoft-Lizenzbestimmungen nicht gebaut werden dürfte. Als Konsequenz forderte er, Microsofts Geschäftsfreiheit einzuschränken.
In der vermutlich entscheidenden Runde des Kartellprozesses gegen Microsoft verlangen neun klagende US-Bundesstaaten seit zwei Wochen schärfere Strafen gegen den Softwareriesen. Vor einem Distriktgericht in Washington schilderten die Anwälte Microsoft als einen "reuelosen Monopolisten", der seine Konkurrenten weiter bitter bekämpfe.
Microsofts Anwälte in voller FahrtKontrollverlust nicht hinzunehmen
Modelle wie der "Lego-PC" könnten laut Borthwick Konsumenten eine größere Auswahl bieten und gleichzeitig die Verbreitung von Software, die nicht von Microsoft produziert wird, fördern.
Der Software-Konzern wies die Vorschläge Borthwicks allerdings klar zurück, da modifizierte Windows-Versionen den Ruf des Herstellers gefährden könnten und Microsoft bei einer Änderung der Lizenzbedingungen hierauf keinen Einfluss mehr habe.
Borthwick verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die etablierten PC-Hersteller ohnehin strenge Qualitätsmaßstäbe hätten und daher der Ruf Microsofts nicht in Gefahr sei.
Glaubhaftigkeit der Zeugen
Anfang dieser Woche haben die Anwälte Microsofts eine E-Mail als
Beweis dafür vorgelegt, dass der Zeuge der Anklage Mitchell
Kertzman, CEO von Liberate Technologies, im letzten Jahr angeboten
habe, öffentlich für Microsoft auszusagen - wenn ein von ihm
angestrebtes Geschäft zu Stande käme. Demnach wollte Kertzman
Microsofts Abteilung für interaktive TV-Software übernehmen und
dafür mit Aktien seines Unternehmens bezahlen.
Geschäft gegen Aussage im KartellprozessPassport in der Kritik
Der AOL-Manager kritisierte zudem, dass Microsoft seine Marktmacht missbrauchen würde, um sein Authentifizierungs-Service "Passport" zu etablieren.
AOLs Konkurrenzprodukt "Magic Carpet" hat demnach gegen die Übermacht Microsofts mit seinem dirketen Zugang zur PC-Benutzeroberfläche keine Chance.
Bei Passport handelt es sich um ein Authentifizierungs-Service, über das nach einmaliger Anmeldung ein sicherer und bequemer Zugriff auf Microsoft-eigene Angebote und Dienste wie MSN Network und .Net möglich sein soll. Dazu speichert der Redmonder Softwarekonzern sensible Benutzerdaten wie Kredikartennummern und Passwörter auf einem zentralen Server.
