21.03.2002

ÖSTERREICH

Bildquelle: orf on

Heimische Musikindustrie unter Druck

Nach dem deutschen hat heute auch der österreichische Verband der Musikwirtschaft [ifpi] eine Jahresbilanz 2001 gezogen und dabei darauf hingewiesen, dass die Musikindustrie durch das private Brennen von Musik-CDs und den kostenlosen Download von Musik immer mehr unter Druck gerät.

Die Musikpiraterie hat 2001 nach Angaben des ifpi deutlich zugenommen. Erstmals entsprach im Vorjahr die Zahl der mit Musik bespielten Leer-Tonträger ungefähr jener der verkauften Original-Tonträger.

Ertragsfähigkeit gefährdet

"Der immer höhere Anteil der selbst gebrannten Musik-CDs gefährdet die Ertragsfähigkeit, es kann nicht wieder investiert werden", sagte EMI-Austria-Geschäftsführer Erich Krapfenbacher.

"Es passiert gerade die totale Ausnahme von den Weltwirtschaftsregeln: Es gibt etwas gratis und gilt noch als schick", so Universal-Music-Austria-Geschäftsführer Bogdan Roscic.

Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, gebe es bei den internationalen Musikkonzernen zwar unterschiedliche Ansätze, Ziel müsse es aber sein, "das Klonen von Musik nicht zu einem 'Mainstream' werden zu lassen. Das wäre der Tod der Musik", befürchtet Roscic.

Die derzeitige Entwicklung gebe der Musikindustrie aber auch die Chance, sich zu besinnen und ihren Fokus zu verlagern: Nicht mehr Marketing und Vertrieb sollten im Vordergrund stehen, sondern das Finden, Entdecken und Machen von Musik, so Roscic selbstkritisch.

Bestseller sind Download-Hits

Laut ifpi werden besonders häufig so genannte "Hits", also jene nur fünf Prozent der Musikproduktionen, die wesentlich für Umsätze und Ergebnis verantwortlich sind, auf CD-Rohlinge gebrannt oder aus dem Internet heruntergeladen.

Preispolitik bleibt

Als Gegenstrategie zur Musikpiraterie sei die Preispolitik nicht geeignet, meinen die Vertreter der heimischen Musikindustrie.

Sie wollen sich nun wieder verstärkt "auf den kreativen Bereich konzentrieren, in Online-Dienste investieren und weiter gegen den Musikdiebstahl ankämpfen".

Dazu sollen die Kontakte zu Behörden, Zoll und Gerichten verbessert werden.