18.03.2002

DOT.COM NEU

Bildquelle: fuZo

Content-Industrie will Geld sehen

Im Jänner gab das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" bekannt, sein Online-Angebot in immer weiteren Teilen kostenpflichtig zu machen.

Heute spricht Online-Chefredakteur Jürgen Marks des Konkurrenzmagazins "Focus" in einer Aussendung davon, 50 Cent für das Abrufen aktueller Artikel zu verlangen. Für die Leser sei das ein "spannender Mehrwert", so Marks.

Ob die Leser diese Meinung teilen werden, sei dahingestellt, einen "spannenden Mehrwert" wird dieser Versuch vor allem für die Arbeit des Verlages bringen. Denn das Geschäft mit dem Online-Anzeigengeschäft ist seit dem Dot.com-Sterben immer unprofitabler, und Venture-Kapitalisten zeigen sich inzwischen vorsichtig.

47 Prozent ohne Lust, zu zahlen

Nicht ganz ohne Erfolg: Dieses Jahren werden 33.000 Abonnenten dem Unternehmen einen Umsatz von über einer Million USD bescheren.

Von den 33.000 Abonnenten abgesehen zeigt eine Umfrage der Marktforscher Jupiter MMXI allerdings, dass 47 Prozent der User auch in Zukunft nicht bereit sind, Gebühren für Webinhalte zu berappen.

Kostenloses weiterhin finden

Im Jahr 2001 konzentrierten sich 70 Prozent der Gesamtausgaben für kostenpflichtige Online-Inhalte [252 Mio. Euro] auf Sex-Content.

Evan Williams, Archivar von kostenpflichtigen Diensten im Netz [theendoffree.com], sieht die Sache gelassen: "Die Leute werden zahlen, da sie glauben, damit dem Angebot ein längeres Leben zu bescheren und es zu verbessern. Es ist schwer, sich über etwas zu beschweren, das man nicht bezahlt."

Der 24-jährige User Harris sieht die Vorstellung von umgreifender Kostenpflicht im Netz ebenfalls gelassen, jedoch von einer anderen Perspektive: "Ich glaube, es gibt so viele Angebote im Netz, man wird immer etwas kostenlos bekommen."