Content-Industrie will Geld sehen
Im Jänner gab das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" bekannt, sein Online-Angebot in immer weiteren Teilen kostenpflichtig zu machen.
Heute spricht Online-Chefredakteur Jürgen Marks des Konkurrenzmagazins "Focus" in einer Aussendung davon, 50 Cent für das Abrufen aktueller Artikel zu verlangen. Für die Leser sei das ein "spannender Mehrwert", so Marks.
Ob die Leser diese Meinung teilen werden, sei dahingestellt, einen "spannenden Mehrwert" wird dieser Versuch vor allem für die Arbeit des Verlages bringen. Denn das Geschäft mit dem Online-Anzeigengeschäft ist seit dem Dot.com-Sterben immer unprofitabler, und Venture-Kapitalisten zeigen sich inzwischen vorsichtig.
Salon: Zwei Jahre erfolgreich Kostenpflicht
Dass kostenpflichtige Bereiche für Online-Medien ein taugliches
Geschäftsmodell sein können, glaubt auch das Netzmagazin Salon. Seit
zwei Jahren werden für den Zugang zu ausgewählten Artikeln 30 USD
jährlich verlangt.
Webmagazin Salon wird kostenpflichtig47 Prozent ohne Lust, zu zahlen
Nicht ganz ohne Erfolg: Dieses Jahren werden 33.000 Abonnenten dem Unternehmen einen Umsatz von über einer Million USD bescheren.
Von den 33.000 Abonnenten abgesehen zeigt eine Umfrage der Marktforscher Jupiter MMXI allerdings, dass 47 Prozent der User auch in Zukunft nicht bereit sind, Gebühren für Webinhalte zu berappen.
Im Netz wird nur für Sex bezahlt
Knapp 16 Prozent könnten sich vorstellen, einen Betrag für Musik
aus dem Netz zu entrichten. Das Geschäft mit der Erotik im Internet
läuft hingegen weiterhin wie geschmiert.
Internet soll gebührenfrei bleibenKostenloses weiterhin finden
Im Jahr 2001 konzentrierten sich 70 Prozent der Gesamtausgaben für kostenpflichtige Online-Inhalte [252 Mio. Euro] auf Sex-Content.
Evan Williams, Archivar von kostenpflichtigen Diensten im Netz [theendoffree.com], sieht die Sache gelassen: "Die Leute werden zahlen, da sie glauben, damit dem Angebot ein längeres Leben zu bescheren und es zu verbessern. Es ist schwer, sich über etwas zu beschweren, das man nicht bezahlt."
Der 24-jährige User Harris sieht die Vorstellung von umgreifender Kostenpflicht im Netz ebenfalls gelassen, jedoch von einer anderen Perspektive: "Ich glaube, es gibt so viele Angebote im Netz, man wird immer etwas kostenlos bekommen."
"Times" kassiert auch
Die britische Tageszeitung "The Times" kassiert künftig für
weitere ihrer Content-Angebote im Internet. Davon betroffen sind
zunächst die Bereiche "Recht" und "World-Cup". Das Online-Archiv und
der Kreuzworträtselbereich sind bereits kostenpflichtig.
The Times
