Kameras mit Gender-Blick
Während der Einsatz von Überwachungskameras derzeit vor allem im Zusammenhang mit der Sicherheit auf Flughäfen diskutiert wird, werden die Kameras, die im kommerziellen Bereich Kunden beobachten, immer intelligenter.
In diesem Einsatzgebiet geht es vor allem darum, die Analyse des Kundenverhaltens in Geschäften und Einkaufszentren zu automatisieren und weniger darum, einzelne Personen wieder zu erkennen.
Nachdem Anfang des Jahres eine Software Furore machte, die mittels Infrarotbildern Lügner erkennen soll, und Programme, die Blickrichtungen und "Grundstimmungen" von Käufern ausmachen, bereits als etablierte Systeme gelten, sollen die smarten Kameras zukünftig auch selbstständig das Geschlecht ihrer Beobachtungsobjekte bestimmen.
Ein Einsatzgebiet des Lügendetektors mittels Infrarotbildern könnte auch die Auswertung von Kundenstimmungen werden - oder das frühzeitge Erkennen von Ladendieben.
Infrarotkamera als LügendetektorGender-Blick
Rajeev Sharma, Professor an der Penn-Universität in Pennsylvania, hat ein Programm, das bisher zur Erkennung von bestimmten Zelltypen eingesetzt wurde, für die Unterscheidung eines anderen - entscheidenden - Unterschieds modifiziert:
Angeblich kann die Software jetzt nach Überwachungskamerabildern mit einer Trefferquote knapp unter 100 Prozent Männer von Frauen unterscheiden. Um das zu erreichen, vermisst das Programm die Proportionen und die Lage von Augen, Nase und Mund.
Sharma, der seine Erfindungen über die Firma Advanced Interface Technologies vermarktet, will sein Programm jetzt Einkaufszentren anbieten, die mehr über ihre Kundschaft erfahren oder aber Werbebildschirme gezielt mit geschlechtsspezifischer Werbung bestücken wollen:
Kommt eine Frau am Monitor vorbei, wird sie auf die Parfümerie aufmerksam gemacht, ein Mann bekommt dagegen die Werbung eines Sportgeschäfts zu sehen.
Rajeev SharmaKonsumenten im Blick
In mehreren US-Kaufhausketten werden schon seit Anfang letzten Jahres die Bilder der Überwachungskameras von der IBM-Software "Blue Eyes" ausgewertet, die Personen auf Videobildern ausmachen, deren Blickrichtung ermitteln und mittels der Stellung und Bewegungen der Augenbrauen und des Mundes angeblich auch eine Grundstimmung erkennen kann.
Und die deutsche Firma DisplayCom hat im letzten Herbst ein "vollautomatisches Optikmesssystem für Personenbewegungen" vorgestellt.
Zum Einsatz kommen soll das "COM-Meter" vor allem in Kaufhäusern und Einkaufszentren, um Innenarchitektur und Werbung im Hinblick auf ein "optimales Kundenverhalten" - also den maximalen Konsum - zu gestalten.
Die IBM-Software entstammt dem IBM-Projekt "Blue Eyes", das offiziell darauf abzielt, dass PCs die Stimmung des Besitzers erkennen. Bisher hat "Blue Eyes" allerdings keinerlei Anwendungen für "einfühlsame" Schreibtisch-PCs hervorgebracht.
Software spioniert Käuferstimmung ausDas "COM-Meter" ermittelt Position, Tempo, Abstand, Distanz, Richtung, Hinwendung und kommunikative Interaktion pro Person für die statistische Analyse. Damit soll exakt erhoben werden, in welchen Bereichen sich die Besucher länger aufhalten und welche Bereiche sie schnell verlassen. Produktplatzierungen sowie die Gebäudearchitektur und der Ladenbau sollen so optimiert und die Wahrnehmung von Informationen und Werbung gemessen werden.
Kamerasystem erfasst KäuferverhaltenZweifelhafte Sicherheit
Während die Software zur Auswerung von Kundenbildern immer klüger wird, geraten ausgerechnet die viel gepriesenen Systeme zur Personenerkennung in die Kritik.
Der erste Flughafen, der in der Folge der Terroranschläge vom 11. September mit einem neuen biometrischen Überwachungssystem ausgerüstet wurde, ist Fresno in Kalifornien. Bürgerrechtler und Datenschützer meinen allerdings, dass die Systeme zur Vermeidung von Anschlägen ungeeignet sind, weil die Fehlerquoten immer noch viel zu hoch seien.
Die amerikanische Bürgerrechtsvereinigung ACLU forderte den Flughafen Fresno deshalb sogar schon auf, das System wieder abzubauen.
"Sinnlose" Biometrie an US-Flughäfen
