18.12.2001

BADTRANS

Bildquelle: FuZo

FBI profitiert vom Spionage-Virus

Am 17. November warnte der Antivirenspezialist Kaspersky Lab vor dem Trojaner "BadTrans": Der Wurm lege nicht nur Mail-Server lahm, sondern protokolliere auch die Tastatureingaben des Nutzers und verschicke diese an bestimmte E-Mail-Adressen.

24. November, 15.23 Uhr: Ein E-Mail-Account des Providers MonkeyBrains überschreitet seine maximale Größe und wird deaktiviert. Alle eingehenden E-Mails werden aber weiterhin gespeichert.

Als am folgenden Tag die Leistung des Mail-Servers akut einbricht, beginnt die Suche nach dem Fehler. Nach Durchsicht der Server-Logs wird schnell klar, dass der Empfang von 100 E-Mails pro Minute an den vortags gesperrten Account die Wurzel des Übels ist.

Bis zum 27. Dezember wird die Zahl der eingehenden E-Mails an den MonkeyBrains-Account 5.857.277 betragen: E-Mails bestehend aus Passwörtern, Briefen, Firmen-Interna und anderen Daten von über zwei Millionen Nutzern.

FBI will User-Daten

Nicht weiter überraschend ist die Tatsache, dass vorige Woche der Eigentümer von MonkeyBrains, Rudy Rucker jr., vom FBI kontaktiert wurde. Grund für die Anfrage: Die Protokolle der "BadTrans"-Mails seien unverzüglich an das FBI auszuliefern.

Die Anfrage, die selbst mit Durchsuchungsbefehl die Grundrechte der über zwei Millionen Nutzer verletzt hätte, wurde von Rucker nicht erfüllt.

Stattdessen veröffentlichte er die Datenbank im Netz, wo sie von jedermann - also auch vom FBI über eine Suchmaske abgefragt werden konnte.

"Orwellscher Albtraum"

Der legale Rahmen für solche Aktionen ist allerdings im letzten Monat durch den "Patriot Act" erweitert worden.

Für Rucker ist die Episode der Vorgeschmack auf "den Orwellschen Albtraum, der die Vereinigten Staaten zu werden scheinen".