"Feldzug" gegen Raubkopien in Österreich
Die Software-Industrie will jetzt auch in Österreich einen "Feldzug" gegen die ihrer
Ansicht nach weit verbreiteten Raubkopien starten.
Der Branchenverband BSA [Business Software Alliance] beginnt mit der "Fahndung" nach illegal eingesetzter Software in Oberösterreich, die Ausdehnung auf alle anderen Bundesländern ist vorgesehen.
In der ersten Phase soll Firmen vier Wochen lang die Chance geben werden, sich freiwillig zu melden und die Lizenzen nachzukaufen.
Ob der "Feldzug" demnach vor allem ein Pokerspiel ist, bleibt abzuwarten.
Die BSA wurde 1988 gegründet und setzt sich weltweit für den Schutz von Software als geistigem Eigentum ein. Hinter der BSA stehen laut deren Auskunft 85 Prozent der weltweit tätigen Hersteller von Standardsoftware.
BSASchlechtes Gewissen
Zur Dimension der Software-Piraterie meinte heute der für Zentraleuropa zuständige BSA-Manager Georg Herrnleben:
"Nach unseren Berechnungen, die wir gemeinsam mit Marktforschern durchgeführt haben, sind 36 Prozent aller in Österreich gewerblich genutzten Software illegal, also Raubkopien."
Für die Softwarehersteller ist laut Herrnleben allein in Österreich im Jahr 1999 [ [die neuesten vorliegenden Zahlen] durch Raubkopien ein Schaden von 1,039 Milliarden ATS entstanden.
Die BSA beziehe aus verschiedenen Quellen ihre Informationen über die illegale Verwendung von Software, erläutert Herrnleben:
Aus den Firmen selbst, "weil immer wieder EDV-Verantwortliche ein schlechtes Gewissen haben", sowie von ehemaligen Mitarbeitern von Betrieben, ebenso von Mitbewerbern und von Computerfirmen.
Die BSA ist Eigenangaben zufolge "auch im ersten Quartal des Jahres erfolgreich gegen Software-Piraterie vorgegangen". In Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen insgesamt 285 Hinweise auf Raubkopien sowie den Einsatz oder Handel mit illegaler Software ein.
"Erfolgreiches Quartal" gegen PiratenExtern, intern, egal
Wenn der BSA ein konkreter Verdacht auf Software-Piraterie vorliegt, werden die Sicherheitsbehörden sowie Staatsanwalt und Gericht eingeschaltet, die dann "entsprechende Hausdurchsuchungen" veranlassen:
"Illegale Verwendung von Software ist ein klarer Fall von Diebstahl", sagt der BSA-Manager, "auch wenn es sich dabei nicht um professionellen Handel, sondern lediglich um Kopien für den internen Gebrauch handelt."
In einem feierlichen Festakt im repräsentativen "Blauen Salon" des Finanzministeriums wurden im letzten Dezember Zollbeamte sowohl von der Musik- als auch von der Sorftware-Industrie mit den "Anti Piracy Awards 2000" ausgezeichnet. Die Zollbeamten erhielten die Auszeichnungen für ihre besonders erfolgreichen Aufgriffe und Beschlagnahmen illegaler Tonträger und Software.
Zollbeamte gegen Software- und MusikpiratenSelbstanzeigen erwünscht
Die jetzige Aktion, die in Oberösterreich am 7. Mai startet, wird mit Absicht "Schonfrist" genannt: Die Firmen sollen, so die BSA, vier Wochen lang die Möglichkeit haben, "im eigenen Bereich Nachschau zu halten, ob mit den Lizenzen alles in Ordnung ist".
Sie können sich diesbezüglich auch bei der BSA "registrieren" lassen. "Wir sehen das als faire Chance für die Firmen an, nach den 30 Tagen werden wir dann mit Nachdruck den uns vorliegenden Hinweisen nachgehen und auch die Behörden einschalten", kündigt Herrnleben an.
Auf der Wiener Kärntnerstraße kamen im letzten November 3.000 "gefälschte" Computermäuse und 800 illegal hergestellte CD-ROM-Kopien medienwirksam unter die Räder. Unter Aufsicht der Behörden wurden mit einer Dampfwalze rund 900 Kilo großteils vom Zoll in Bludenz beschlagnahmten Computermaterials vor den Augen der Öffentlichkeit demonstrativ platt gewalzt.
Dampfwalze gegen Software-Raubkopien
