01.05.2001

RÜCKWÄRTS

Bildquelle: orf on

USA sagen Datenkrieg mit China ab

Nachdem sowohl US-Behörden als auch Sicherheitsunternehmen eine Woche lang vor einem Informationskrieg mit China gewarnt und die Gefahr vor chinesischen "Hackern" plastisch ausgemalt haben, haben sich gestern sowohl der Tonfall, als auch die Richtung der Aussagen drastisch geändert.

Dies mag einerseits darauf zurückzuführen sein, dass immer offensichtlicher wurde, wie harmlos die kurzfristige Modifizierung von Sites mit Parolen letztendlich ist, dürfte aber auch aus Furcht vor gröberen Zwischenfällen nach dem Prinzip der "self-fullfilling-prophecy" geschehen.

Sowohl das FBI-geführte National Infrastructure Protection Center [NIPC] als auch private Sicherheitsfirmen haben demnach die Situation in erster Linie für Werbung in eigener Sache genutzt, aber kein Interesse daran, dass jugendliche "Hacker" sich von dieser Werbung zu ernsthaften Attacken inspirieren lassen.

Alles normal

Rob Clyde, Chef-Techniker bei Symantec wies gestern darauf hin, dass bislang höchstens ein halbes Dutzend prominenter US-Regierungssites mit chinesischen Parolen versehen wurden.

David Jarrell, Direktor des Federal Computer Incident Response Center, der auch das NIPC berät, erklärte völlig konträr zu den NIPC-Verlaubarungen der letzten Woche, dass die "Hack-Aktivitäten" sich im durchschnittlichen Rahmen bewegten.

"Heute liegen [die Aktivitäten] nur leicht über dem Durchschnitt," führte Jarrell aus.

Tradition und Bubenstreiche

In den nächsten Tagen dürfte es allerdings trotz des Ausbleibens eines Informationskrieges durch die chinesischen und amerikanischen Militärs vermehrt zu Modifikationen von Regierungs-Sites und Versuchen von DoS-Attacken kommen.

Zum einen haben pro-chinesische Hacker schon im letzten Jahr den ersten Mai und den Jahrestag der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad durch die US-Airforce am 7. Mai für vermehrte Aktivitäten zum Anlass genommen.

Zum anderen dürften die Warnungen der letzten Woche und das entsprechende Medienecho nicht ohne Wirkung bleiben und viele "Möchtegern-Hacker" und "Script-Kids" zu Aktionen inspirieren.

Andy Müller-Maguhn [ICANN, CCC] stufte die Hacker-Attacken auf US-Sites gestern als "Auseinandersetzung mit relativ primitiven Mitteln" ein. "Da sind noch keine richtigen Computerspezialisten am Werk, sondern erboste chinesische Bürger", meint Müller-Maguhn. Bislang gebe es jedoch noch keinen "Info-Krieg". Gefährlich würde es erst, falls sich "militärische Subeinheiten" beider Länder auf Computerebene bekämpften, sagt Müller-Maguhn.