Analystenschelte und Optimismus
Der Leiterplattenhersteller AT&S will ungeachtet der andauernden Ungewissheit auf dem Telekommunikationsmarkt ab 2002 wieder volle Fahrt aufnehmen, mit dem Ziel, etwa ab 2005 mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz in die Top Ten der Branche aufzusteigen.
Das bekräftigte der Vorstandsvorsitzende des steirischen Handy-Zulieferers, Willi Dörflinger, am Donnerstagabend vor Journalisten. Nach dem Kurssturz von vergangener Woche fühlt sich der einstige "Darling" des Frankfurter Neuen Markts von Anlegern und Analysten stiefmütterlich behandelt.
"Was uns befremdet hat, ist, dass speziell die Analysten das Umfeld, in dem wir uns befinden - die wegbrechenden Märkte in den USA und Japan -, ignoriert haben und die Gewinnerwartungen für 2001 bis zuletzt unrealistisch hoch angesetzt haben." Eine für dieses Jahr auf zehn Prozent reduzierte EBIT-Marge, "während gleichzeitig 90 Prozent unserer Konkurrenten ums Überleben kämpfen", sei kein rationaler Grund für einen Kurssturz von 30 Prozent, meinte der AT&S-Manager.
AT&S fällt weiter in den KellerAufwärts ab Q3 2001
Dörflinger räumte freilich ein, dass die Absatzprognosen für Handys nun überall drastisch zurückgestutzt würden und dass sich daraus ein spürbarer Druck auf die Leiterplattenpreise entwickle. "Wir haben an das Wachstum der Märkte geglaubt und haben uns dabei geirrt, und zwar zusammen mit allen unseren großen Kunden."
Dörflinger rechnet aber mit einer Verbesserung der Situation ab dem zweiten Halbjahr, im kommenden Geschäftsjahr 2002/03 will man von der derzeit reduzierten Wachstumsrate wieder auf 40 Prozent pro Jahr zulegen.
AT&SFabrik-Klon in China
Eine zentrale Rolle in der Wachstumsstrategie des Unternehmens spielt der chinesische Handy-Markt, der pro Monat um 2,5 Millionen Stück wächst.
Mitte Mai beginnt AT&S in Shanghai mit dem Bau einer hochmodernen Fabrik, eines "Klons" des zweiten Stammwerks in Leoben-Hinterberg. Über Shanghai sollen die internationalen Originalproduzenten, die sich in China angesiedelt haben, mit modernen Leiterplatten versorgt werden.
Angesichts der aus Asien herbeieilenden Konkurrenz "stehen wir bereits unter Zeitdruck, uns zu positionieren", sagte Dörflinger. Die Investition soll im Endausbau bei 750 Beschäftigten zwei Milliarden ATS Umsatz machen und 2004 bereits "ordentlich Geld einspielen", so Dörflinger.
AT&S hat sich in Shanghai genug Grund zugelegt, um bei Bedarf zwei baugleiche Leiterplattenwerke neben die erste Fabrik zu setzen.
