11.04.2001

INFOWAR

Bildquelle: ta

Analysten: Schwarze Zahlen nicht vor 2003

Durch Indiskretion wurden einige Bilanzzahlen der Telekom Austria für das Jahr 2000, die erst ab heute offiziell präsentiert werden sollten, bereits gestern bekannt.

Wie TA-Chef Heinz Sundt auf der Pressekonferenz heute Vormittag betonte, werde die TA "alles, wirklich alles" daransetzen, die "undichte Stelle" im Konzern zu finden, die für die gestrige Indiskretion und wahrscheinlich auch für einige der Presseberichte der letzten Wochen verantwortlich ist.

Im gleichen Zusammenhang appellierte Sundt eindringlich an alle Beteiligten, die spekulativen Diskussionen um mögliche Personalveränderungen in der TA einzustellen.

Generell ist der FuZo aufgefallen, dass die Stimmung auf der Konferenz eher angespannt war.

Analysten: Schwarze Zahlen nicht vor 2003

Sundt selbst nahm bei der heutigen Vorschau zu Erwartungen für den Eintritt in die Gewinnzone nicht Stellung.

Bankanalysten etwa der CA IB - die ja den TA-Börsengang im November 2000 weltweit an prominenter Stelle begleitet hatte - nannten gegenüber der APA dafür das Jahr 2003. Erst dann sollte es auch erstmals eine Dividende auf die "Volksaktie" geben.

Zu den präsentierten Bilanzzahlen meinte CA IB-Analyst Peter Breyer, sie seien "überraschendeweise besser als erwartet" ausgefallen. Zurückzuführen sei dies auf die besseren Entwicklungen im operativen Geschäft [Mobilkom, Datakom] und die Restrukturierungsrückstellungen, die auf mehrere Jahre verteilt würden.

Aus diesem Grund freilich würden die Bilanzen für 2001 und 2002 weiterhin belastet. Deshalb sei erst 2003 mit dem Break Even nach Vorsorgen zu rechnen.

ADSL für 75 Prozent Österreichs

Neben den Problemen der TA mit der öffentlichen Diskussion äußerte sich der TA-Chef auch zu den wirtschaftlichen Aussichten des Konzerns.

Demnach wird die Umstrukturierung der TA bis 2005 insgesamt Kosten von fünf bis sechs Milliarden ATS ausmachen. Für das laufende Geschäftsjahr ist zudem keine Dividendenzahlung geplant.

Als Beispiel für die gute Platzierung der TA im Datengeschäft betonte Sundt, dass sein Unternehmen derzeit 75 Prozent aller Haushalte ADSL anbieten könne.

Der Nettoverlust der Telekom-Austria-Gruppe [inklusive Mobilkom Austria] betrug 285,6 Millionen Euro [3,93 Mrd. ATS], nach einem Plus von 200,2 Millionen Euro im Jahr davor.

Festnetzumsatz gesunken

Die "Wachstumsbereiche Mobilkommunikation, Datenkommunikation und Internet" konnten die "wettbewerbsbedingten Rückgänge" im Festnetz "mehr als ausgleichen", gab die TA bekannt.

Das Betriebsergebnis des Festnetzbereichs geriet mit minus 295,4 Millionen Euro in die Verlustzone, nachdem 1999 noch ein Überschuss von 250,3 Millionen Euro erzielt worden war.

Im Festnetzbereich der TA sank der Umsatz im Geschäftsjahr 2000 auf 2.676,9 Millionen Euro [1999: 2.842,2 Mio. Euro]. Auf Grund von Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 253,6 Millionen Euro sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen [EBITDA] auf 519,5 Millionen Euro [1999: 1.077,1 Millionen Euro].

Handy-Geschäft boomt

Im Geschäftsbereich Mobilkommunikation, der Aktivitäten in Österreich und Kroatien umfasst, stieg das Betriebsergebnis um 15,6 Prozent auf 261,1 Millionen Euro.

Die Umsatzerlöse konnten um 20,7 Prozent auf 1.500,1 Millionen Euro [1999: 1.242,4] gesteigert werden. Das EBITDA stieg hier um 23,2 Prozent auf 437,9 Millionen Euro. Außerdem gibt die Telekom Austria die Umwandlung der Mobilkom Austria AG in Mobilkom Austria AG und CoKG bekannt.

Jet2Geld

Im Geschäftsbereich Datenkommunikation erhöhten sich die Umsatzerlöse um 10,5 Prozent auf 309 Millionen Euro.

Das EBITDA nahm hier um 36,5 Prozent auf 59,5 Millionen Euro und das Betriebsergebnis um 42,5 Prozent auf 22,8 Millionen Euro zu.