Vorstand Brasic wirft das Handtuch
Durch Indiskretion wurden die neuesten Zahlen der Telekom Austria, die erst heute offiziell präsentiert werden, bereits gestern bekannt.
Demnach hat das angeschlagene Flaggschiff der heimischen Telekomindustrie weniger Verlust eingefahren als ursprünglich erwartet.
Allen Dementis zum Trotz ist es bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung doch zu einer Veränderung im Vorstand gekommen. Marketing-Vorstand Heinz Brasic wirft das Handtuch.
Bis zur Bestellung eines Nachfolgers für Brasic wird TA-General Heinz Sundt interimistisch die Führung der Bereiche Marketing und Vertrieb übernehmen.
Ditz über unnötige Gewinnwarnungen verärgert
Wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtet, begründete Brasic
seinen Ausstieg mit einer Diffamierungs- und Verleumdungskampagne
gegen ihn, die auch auf seine Familie übergegriffen habe. Der
ehemalige Nokia-Austria-Chef war Anfang Juni von Oscar Cicchetti,
dem vor einer Woche abgelösten Auslandschef der Telekom Italia,
engagiert worden. Im Februar 2000 versuchte ÖIAG-Chef Josef Ditz die
Ablöse von Finanzvorstand Stefano Colombo zu erreichen und bot den
Italienern im Gegenzug den Vorstandsvorsitz mit Brasic an. Ditz war
vor allem über die peinliche und - wie man heute weiß - unnötige
Gewinnwarnung verärgert. Der Deal scheiterte allerdings, weil sich
die Akionärsvertreter nicht auf einen Finanzchef einigen konnten.
Telekom-Vorstand nimmt den HutNettoverlust von vier Milliarden Schilling
Der Nettoverlust betrug 285,6 Millionen Euro [3,93 Mrd. ATS], nach einem Plus von 200,2 Mio. Euro im Jahr davor.
Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen [EBITDA] sank auf 1,017 [davor 1,478] Mrd. Euro. Beim Betriebsergebnis verzeichnete die Telekom Austria einen Fehlbetrag von 31,6 [davor plus 493,7] Mio. Euro.
Die Daten sind besser als vom Markt erwartet, nachdem die Telekom Austria im Jänner gewarnt hatte, beim EBITDA nur 880 bis 940 Mio. Euro erzielen zu können, statt der ursprünglich geplanten 1,039 Mrd. Euro.
Die Aktie reagierte auf diese Zahlen mit einem Kurssprung von vier Prozent nach oben, nachdem sie sich den gesamten Handelsverlauf bereits im positiven Terrain bewegt hatte.
Keine Überraschungen erwartet
Nach der Gewinnwarnung im Jänner hatten die Analysten eigentlich keine Überraschungen mehr erwartet. In den Schätzungen sei bereits der "worst case" eingerechnet, hieß es vereinzelt.
Düstere Vorzeichen für 2001
Auf der Bilanzpressekonferenz erwarten sich die Analysten nähere Aussagen zu Strategie, Breitband-Netzausbau, Wettbewerb sowie den Widerständen beim Personalabbau.
Das erste Quartal 2001 soll nach Berichten des "Standard" alles andere als rosig aussehen. Der Marktanteil im Festnetzbereich soll auf knapp 50 Prozent heruntergerasselt sein. Zum Jahreswechsel waren es 64 Prozent.
Von der Mobilkom werden Erläuterungen erwartet, wie langfristig mit UMTS Gewinne erwirtschaftet werden können.
Die FuZo wird über den Verlauf der Bilanzpressekonferenz aktuell berichten.
Live-Übertragung im Internet
Die für heute 9.30. Uhr angesetzte Bilanzpressekonferenz der
Telekom Austria wird auf der Website des Unternehmens live
übertragen.
Telekom Austria
