O'Reilly: Finanzkrise räumt im Web 2.0 auf
Die Finanzkrise führt nach Ansicht des Internet-"Gurus" Tim O'Reilly zu einer längst notwendigen Marktbereinigung im Web-2.0-Sektor.
"Viele Kapitalgeber fördern Nachahmer-Produkte. Wir brauchen aber nicht noch eine Suchmaschine, noch ein soziales Online-Netzwerk", sagte O'Reilly auf der Fachtagung Web 2.0 Expo in Berlin.
Zwar blieben auch Start-ups mit guten Ideen auf der Strecke, wenn Risikokapitalgeber den Geldhahn zudrehten; eine Konzentration sei früher oder später jedoch in allen jungen Branchen zu beobachten. "Die Krise wird diesen Prozess nur beschleunigen."
Start-ups müssen leidensfähig sein
Trotz der Krise werde es weiter Innovationen geben. "Aber die Kapitalgeber werden ihr Geld rationaler verteilen", sagte O'Reilly. Wer eine gute Geschäftsidee habe, müsse entweder auf die nächste Chance warten oder leidensfähig genug sein, um sich durch die Krise durchzukämpfen.
Jungunternehmern, die sich über Online-Werbung finanzieren wollen, sagte er jedoch angesichts des lahmenden Werbemarktes eine schwierige Zukunft voraus. "Wenn man mit Werbung Geld verdienen möchte, muss man eine riesige Nutzerzahl gewinnen."
O'Reilly ist Software-Entwickler und Gründer eines großen Verlags für Fachbücher. Mit einem weltweit beachteten Artikel prägte der Ire im September 2005 den Begriff "Web 2.0". Sein Unternehmen richtet die Web 2.0 Expo aus.
~ Link: Reizwort Web 2.0 sorgt für Diskussionen (../http://www.fuzo-archiv.at/?id=156714v2) ~
Hoffnung auf Obama
Zuwächse erwartet der Experte dagegen bei mobilen Diensten sowie bei der Nutzung von Software übers Internet. Mit Anwendungen wie den Büroprogrammen Google Apps und der Kundendatenverwaltung von Salesforce könnten Unternehmen Kosten senken. Dieser Bereich werde auch in der Krise zulegen.
Hoffnungen setzt O'Reilly in die amerikanische Präsidentenwahl. "Wenn Barack Obama gewinnt, wird die IT-Branche künftig stärker im Blickfeld der Politik stehen", ist der Experte überzeugt. Im Stab des Senators aus Illinois seien Fachleute, die sich intensiv mit dem Thema IT auseinandersetzten.
(dpa)
