Ideen für die Internet-Sicherheit

15.10.2008

Einblick in die Schattenwirtschaft von Cyber-Kriminellen und eine Verschlüsselungssoftware für das mobile Internet: Die Aktion "Netidee" der Internet Privatstiftung Austria [IPA] präsentierte die geförderten Projekte für das Jahr 2008.

Spam, Phishing und Identitätsdiebstahl und Kreditkartenbetrug - die Internet-Kriminalität blüht. Das Volumen dieser "Underground-Economy" wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. "Genau weiß das keiner", sagt Gilbert Wondracek von der Technischen Universität Wien.

Mit dem Projekt "Spotlight" will er Informationen über die Arbeitsweisen, Kommunikationsmittel und wirtschaftlichen Zusammenhänge dieser Schattenwirtschaft sammeln und auf Basis der dabei gewonnen Informationen Strategien gegen die Bedrohungen entwicklen, die über den rein technischen Maßnahmenkatalog hinausgehen: "Ziel ist es, den Cyber-Kriminellen geschäftliche und finanzielle Anreize für ihre Aktivitäten zu entziehen."

"Spotlight" ist eines von acht Projekten, die 2008 im Rahmen der Internet-Förderaktion "Netidee" der IPA mit insgesamt 100.000 Euro gefördert wurden. Heuer stand die Aktion unter dem Generalthema "Sicherheit im Internet". Eingereicht wurden 24 Projekte. Am Mittwoch präsentierte IPA-Stiftungsvorstand Rupert Nagler in Wien die geförderten Ideen.

Verschlüsselungssoftware

Darunter ist auch das Projekt "UrbanShield", das eine Verschlüsselungssoftware für das mobile Netz bereitstellen will. Sicheres, anonymes Surfen sei ein Bürgerrecht, sagte Projektinitiator Johannes Mario Laub.

Die von ihm entwickelte Software baut verschlüsselte und anonymisierte Verbindungen auf, über die alle Daten getunnelt werden. Im April nächsten Jahres soll "UrbanShield" für Windows, Mac OS X und das iPhone verfügbar sein, kündigte Laub an.

Zugang zum Internet

Neben der Sicherheit im Internet lag ein weiterer Schwerpunkt der Förderaktion auf dem Abbau von Barrieren für den Netzzugang. Als beispielhaft dafür wurde das Projekt "CAP-KOM" genannt, das kognitiv beeinträchtigte Menschen an das Internet heranführen will.

Ein einfacher, bildgestützter Web-Auftritt mit klarer Struktur solle dieser Nutzergruppe eine selbstständige Kommunkation im Netz ermöglichen, hieß es in den Projektunterlagen. "Accessibility ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen und maßgeblich für die demokratische Weiterentwicklung des Internets", sagte Nagler.

Weiters unter den geförderten Projekten: "Proxmox", eine Virtualisierungsplattform zum einfachen Betrieb von vorgefertigten Linux-Servern und das Projekt "Kwickserver", das Installation und Betrieb eines mit aktuellen Sicherheitstechnologien ausgestatteten Fileservers ohne Spezailkenntnisse ermöglicht. Detaillierte Informationen zu den geförderten Projekten können auf den Seiten der Förderaktion abgerufen werden.

Drittes Jahr

"Netidee" ging heuer bereits ins dritte Jahr. Im vergangenen Jahr wurden 26 Projekte gefördert. Im Jahr davor waren es 25, darunter die Volldigitalisierung des österreichischen Wanderkartensystems und ein umfangreiches Anti-Phishing-Projekt an der Uni Wien.

Gefördert werden Projekte auf Open-Source-Basis, die den Public-Domain-Gedanken verfolgen. Mit "Netidee" wolle man eine Initialzündung setzen. Immer mehr Projekte würden eine Zweitfinanzierung durch Bundesländer, Ministerien und Unternehmen erhalten, so Nagler: "Der Schneeballeffekt ist wichtig." Mittlerweile gebe es auch in anderen Ländern Nachahmer, etwa in Schweden und Großbritannien.

Nächster Call im Frühjahr

Die Förderaktion soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden, kündigte Nagler an. Auch dabei wolle man wieder auf "spezifische Probleme des Internets" fokussieren. Der nächste Call soll im kommenden Frühjahr erfolgen.

Zum Thema:

(futurezone | Patrick Dax)