Neuer Schub an "Netideen"
Die Internet Privatstiftung Austria [IPA] fördert mit 500.000 Euro neue Ideen für das Internet. Unter den geförderten Projekten finden sich ein Frühwarnsystem für Bot-Netze, ein Vorschlag zur Vereinheitlichung der Navigation von Websites sowie mobile Internet-Helfer für Senioren.
Mit der größten privaten Internet-Förderaktion in Österreich, die heuer zum zweiten Mal ausgeschrieben wurde, wolle man Impulse für die eine Weiterentwicklung des Internets in Österreich setzen, sagte IPA-Stiftungsvorstand Rupert Nagler am Dienstag bei der Präsentation förderungswürdiger "Netideen" in Wien.
24 Projekte ausgewählt
Insgesamt wurden 104 Projekte eingereicht, 24 werden nun mit Summen von 4.000 bis 40.000 Euro gefördert. Im Zentrum der Förderaktion stand heuer das Thema Sicherheit.
Auch Ideen, die auf geförderte Projekte des Vorjahres aufbauen, hatten gute Karten. "Es muss nicht immer das Rad neu erfunden werden", sagte Nagler, der mit der Aktion auch einen "selbstorganisierten Schneeballeffekt" erzielen will.
Das Spektrum der geförderten Projekte reicht von einem geografisch und zeitlich orientierten Eventkalender über ein solarbetriebenes WiFi-Router-Paket bis hin zu einer Open-Source-Virtualisierungsplattform zum einfachen Betrieb von vorgefertigten Linux-Servern.
Sicherheitsratgeber für Unternehmen
Der Sicherheit im Internet widmet sich das Projekt "Erhöhung der Online-Sicherheit für KMU" der Fachhochschule Hagenberg. Dabei soll ein Online-Tool entwickelt werden, das den Schutzbedarf von Klein- und Mittelunternehmen im Netz evaluiert und konkretes Verbesserungspotenzial aufzeigt.
Im Rahmen eines weiteren geförderten Projekts wird an einem Frühwarnsystem für Bot-Netze gebastelt, das gekaperte Rechner vorbeugend identifizieren soll und so zur Sicherheit des Internets beitragen will.
Eine Navigation für alle Websites
Die Navigation von Websites will Thomas Landauer mit seinem Projekt "Sitemap für Websites" vereinheitlichen. Er schlägt eine Standard-Sitemap auf XML-Basis vor, die im Browser dargestellt wird und Navigationsleisten auf Websites ersetzen soll.
Internet-Nutzer müssten sich dann nicht mehr über unübersichtliche Navigationssysteme ärgern, Designer hätten mehr Möglichkeiten, den eigentlichen Inhalt der Seiten zu gestalten, auch Programmierer hätten mit der plattformunabhängigen Lösung weniger Aufwand, so Landauer. An einer Firefox-Extension werde bereits gearbeitet.
"Mobile Internet-Lotsen"
Als Beispiel für ein sozial innovatives Projekt wurden die "Mobilen Internet-Lotsen" des Soziologen Peter Jedlicka genannt. Dabei soll ein mit Laptop und Datenkarte ausgestatteter Betreuungsdienst Senioren und pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeiten des Internets nahebringen.
Mit Hilfe des Netzes könnte diesen etwa bei der Suche nach alten Freunden und Bekannten geholfen werden, sagte Jedlicka. Ergänzt werden die "mobilen Lotsen" durch einen telefonischen Journaldienst, der auf Wunsch Suchabfragen und Recherchen durchführt.
Erste Firmengründungen
Der Erfolg der Projekte bemesse sich nicht ausschließlich an ihrer kommerziellen Verwertbarkeit, sagte Nagler.
Die geförderten Projekte stehen im öffentlichen Eigentum. Man könne jedoch darauf aufbauend kommerzielle Projekte entwickeln, so der IPA-Vorstand. Rund um die geförderten "Netideen" des vergangenen Jahres wurden bereits drei Firmen gegründet.
Mit den Projektwerbern wird nun ein detaillierter Projektplan ausgearbeitet, das Geld wird projektbegleitend vergeben. Innerhalb eines Jahres sollten die ersten Ergebnisse sichtbar sein.
2006 wurden von der IPA 29 Projekte gefördert, darunter auch ein "Anti-Phishing"-Projekt der Universität Wien, das Phishing-Mails bereits am Server entsorgen soll.
