Verleger suchen Online-Geschäftsmodelle
Österreichische Verlagshäuser sehen Entwicklungsbedarf in der Vermarktung ihrer Online-Auftritte. Printpessimismus gibt es in der Branche kaum.
Nach wie vor beschäftigt das Thema Online die traditionellen Verlagshäuser. "Man muss zugeben, dass wir Printleute ein ganz wunderbares Geschäftsmodell für Print haben, aber noch keine Idee, wie wir dieses Modell eins zu eins aufs Internet übertragen", brachte es Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ, am Donnerstag bei den Österreichischen Medientagen auf den Punkt.
Darin, dass künftig keine Printzeitung ohne Online-Angebot auskommt, waren sich die Verleger einig. Zugleich gaben sich die Medienmacher optimistisch, was die Zukunft von Print angeht.
Der Vorstand der Styria Medien AG, Horst Pirker, sieht drei Möglichkeiten, wie Verleger den Herausforderungen der digitalen Welt begegnen: "Man versucht angestammte Marken in die digitale Welt zu transformieren, man beteiligt sich an erfolgreichen digitalen Marken" oder man ruft "Start-ups" oder "Spin-offs" ins Leben.
Zusammenspiel zwischen Online und Print
Die meisten österreichischen Verlagshäuser verfügen mittlerweile über eigene Online-Redaktionen. Uneinig waren sich die Diskutanten darüber, ob Online mit Print konkurrieren oder zusammenarbeiten soll.
Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus vertrat die These, dass die beiden Bereiche strikt getrennt und gegeneinander aufgestellt werden müssen. "Wir versuchen, Online die Freiheit zu geben, gegen Print anzutreten. Wir dürfen nicht die Angst haben, dem alten Geschäft zu schaden, oder versuchen, es zu schützen", so Russ.
"Paketlösungen" für Werbetreibende
"Standard"-Herausgeber Oskar Bronner trennt die Bereiche Online und Print ebenfalls in unterschiedliche Firmen, setzt aber auf intensive Zusammenarbeit und Synergieeffekte. "Man geht dazu über, die Reichweiten beider Medien zu addieren", so Bronner, der künftig auch in der Werbung gemeinsame Sache machen und den Werbetreibenden "Paketlösungen anbieten" will.
Bei Wolfgang Fellner gilt das Prinzip "Online first", dennoch sind Print und Online getrennte Bereiche. Der "Österreich"-Herausgeber hält "Online für die ideale Ergänzung und Weiterführung von Print", sagte er und bekam von "News"-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt recht. "Ich bin ein großer Verzahnungsfreund", so Voigt. "Bei uns arbeiten die Redakteure beider Bereiche miteinander und nicht gegeneinander."
Aufholbedarf bei Vermarktung
Entwicklungsbedarf gibt es indes noch bei der Vermarktung der Online-Angebote. "Wir brauchen vernünftige Vermarktungsmodelle", sagte Franz Prenner, Geschäftsführer der Mediaprint. Hans-Jürgen Jakobs von der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" appellierte: "Wir brauchen mehr Verkäufertricks, wir müssen uns aggressiver vermarkten."
Laut Bronner hinkt die österreichische Medienbranche anderen Ländern in Sachen Online hinterher, so auch in Sachen Online-Werbung. Dabei habe Online-Werbung enorme Vorteile gegenüber anderen Medien, etwa, dass man Fehlstreuung besser vermeiden könne. Er selbst macht mit dem "Standard" mittlerweile 20 Prozent seines Umsatzes mit Online und geht davon aus, dass es in drei Jahren rund 40 Prozent sind.
Russ will "mittelfristig 25 bis 30 Prozent des Gesamtumsatzes mit Online machen", Fellner hofft langfristig sogar auf 50 zu 50, wobei er derzeit noch knapp unter zehn Prozent seines Umsatzes aus dem Internet generiert.
Kaum Printpessimismus
Davon, dass es die Printzeitungen weiter geben wird, waren die Verleger überzeugt. Pirker sieht die "Plattform Papier" gar erst am "Anfang der Ausschöpfung ihres Potenzials und nicht am Ende".
Russ geht davon aus, dass Print erst einer Revolution bedarf und nicht in seiner jetzigen Form bewahrt werden darf. Einig war man sich darin, dass Content im Internet auch künftig gratis anzubieten ist.
Am Mittwoch stand bei den Österreichischen Medientagen, die heuer unter dem Motto "Was kommt - was bleibt" stehen, die Zukunft des Fernsehens zur Diskussion.
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(APA)
