Bestechung: Siemens soll Bußgeld zahlen

norwegen
01.07.2008

Golfreisen für Heeresoffiziere bezahlt

Norwegens Wirtschaftspolizei hat am Dienstag ein Bußgeld gegen eine Tochter des deutschen Siemens-Konzerns über zwei Millionen Kronen [250.000 Euro] wegen Bestechungsreisen für drei hochrangige Militärangehörige verhängt.

In einem früheren Prozess gegen einen der Offiziere hatte ein Siemens-Manager zugegeben, dass das Unternehmen im Frühjahr 2004 Golfreisen für die Offiziere nach Alicante in Spanien für zusammen 60.000 Kronen bezahlte.

Siemens-EDV fürs Militär

Siemens ist Lieferant von EDV-Systemen des norwegischen Militärs. Die Osloer Wirtschaftspolizei wirft der Siemens-Tochter SBS seit längerem vor, den Staat jahrelang mit systematisch zu hoch angesetzten Rechnungen um mehr als 60 Millionen Kronen betrogen zu haben.

Während die Tochter des deutschen Unternehmens einen Teil dieser Summe zurückzahlte, wurde ein Bußgeldbescheid über neun Millionen Kronen abgewiesen.

Zu dem neuerlichen Bußgeldbescheid erklärte ein Unternehmensanwalt, man sehe keine Form von Bestechung. Siemens muss sich innerhalb von zwei Wochen erklären und bei einer Ablehnung mit einem Gerichtsverfahren rechnen.

Die Staatsanwaltschaft Wien verstärkte unterdessen die Erhebungen gegen fragwürdige Zahlungen bei Siemens Österreich.

Skandal wurde 2004 publik

Den gesamten Skandal ausgelöst hatte der frühere norwegische Siemens-Finanzmanager Per-Yngve Monsen. Er gab 2004 sein Wissen über systematisch betriebene Ansetzung zu hoher Rechnungen an norwegische Medien weiter.

Norwegens Verteidigungsministerin Anne-Grete Strom Erichsen sagte im vergangenen Sommer, Siemens werde wegen seiner Rechnungspraktiken keine weitere Aufträge des Verteidigungsministeriums mehr erhalten. Sie sagte: "Unser Vertrauen in Siemens ist weg."

(dpa)