Zeitungsbranche diskutiert Online-Zukunft
Die Zeitungsbranche hat sich am Dienstag auf einem Kongress in Göteborg mit dem schwierigen Spagat zwischen Print- und den rasant wachsenden Online-Medien beschäftigt.
Die digitalen Plattformen der Zeitungsverlage liefern derzeit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Sie sollten die Stärken des gedruckten Mediums aber weiter pflegen und nicht Hals über Kopf ins Internet flüchten, riet am Dienstag der Präsident des Weltzeitungsverbands [World Association of Newspapers], Gavin O'Reilly, vor 1.800 Verlegern und Redakteuren.
"Das Netz ist ein wunderbarer Ort, wenn man weiß, wonach man sucht", sagte O'Reilly am Dienstag, dem zweiten von drei Kongresstagen. "Aber wir riskieren, dass unsere Dollars zu Pennys werden, wenn wir uns frontal in die digitale Welt stürzen." Etwa 60 Prozent aller Einnahmen mit Online-Nachrichten gingen an lediglich zwei Unternehmen, Google und Yahoo.
2011: 105 Mrd. Dollar aus Online-Werbung
In einer auf dem Zeitungskongress veröffentlichten Studie mit dem Titel "World Digital Media Trends" heißt es, dass die Einnahmen aus der Online-Werbung einschließlich mobiler Empfangsgeräte von 2002 bis 2011 um den Faktor zwölf auf weltweit etwa 105 Mrd. Euro steigen werden. Zeitungen könnten sich daher nicht allein auf ihre Printausgaben verlassen, um finanziell zu überleben.
Zeitungen "kein Relikt der Vergangenheit"
In einigen Ländern "wird das Internet innerhalb von fünf Jahren die primäre Nachrichten- und Informationsquelle sein, während Zeitungen die dominierende Position verlieren, die sie mehr als ein Jahrhundert lang innehatten", heißt es in dem Bericht.
Wegen der ungewissen Ertragsperspektiven im Internet müssten Zeitungsverlage weiter in ihre Printausgaben investieren, sagte der Verbandspräsident. Alle in der Branche hätten jedoch die großen Möglichkeiten erkannt, die das Internet biete. Es könne keine Rede davon sein, dass Zeitungen bald ein Relikt der Vergangenheit sein würden. Allerdings sei es erforderlich, auch die Mittel und die qualifizierten Mitarbeiter für Print und Online zur Verfügung zu stellen.
In einer Arbeitsgruppe für Zeitungsredakteure sagte Jim Roberts von der "New York Times": "Ich erwarte, dass es unsere Printausgabe noch lange Zeit geben wird."
Zeit des Umbruchs
Nach Rupert Murdochs News Corp. hat man auch bei Bloomberg erkannt, dass nur mit koordinierten Cross-Media-Verbänden aus TV, Radio, Internet und Print reüssiert werden kann.
(futurezone | AP | APA)
