USA bleiben oberster Netz-Verwalter
Kurz vor Auftakt des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft in Tunis fanden die Vertreter der 170 Teilnehmerländer vorerst einen Kompromiss im langjährigen Streit über die Verwaltung und Steuerung des Internets.
Wie Diplomaten in der Nacht auf Mittwoch mitteilten, einigten sich die Unterhändler auf ein Papier, das die drohende Spaltung des Internets abwenden soll. Streitpunkt war bisher die Dominanz der US-Organisation ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers], die die Oberaufsicht über das Netz innehat. Die EU und Vertreter der Entwicklungsländer fordern seit Jahren eine alternative internationale Internet-Verwaltung.
Der Kompromiss von Tunis sieht ein zweigleisiges Vorgehen vor: Zum einen soll ein regierungsübergreifendes Forum geschaffen werden, in dem alle Internet-Fragen erörtert werden sollen - so etwa Netzkriminalität, Computerviren und Spam.
ICANN besteht weiter
In einer zweiten, zeitlich unbegrenzten Gesprächsrunde sollen
Vertreter des privaten und des öffentlichen Sektors in Fragen des
öffentlichen Interesses zusammenarbeiten. Die
Non-Profit-Organisation ICANN soll aber fortbestehen.
Verhärtete Fronten im ICANN-Disput12.000 Besucher in Tunis erwartet
De facto ändert sich also wenig an der Netzverwaltung - die ICANN verwaltet weiter, während das regierungsübergreifende Forum nur beratende Funktion hat.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte vor der Tagung verlangt, alle Menschen an den Vorteilen des Internets zu beteiligen. Annan wies Vorwürfe aus den USA zurück, die Vereinten Nationen wollten das Netz kontrollieren.
Zu dem dreitägigen Weltgipfel werden 12.000 Besucher in der tunesischen Hauptstadt erwartet. Annan nimmt ebenso teil wie Vertreter großer Unternehmen.
Jedes Dorf bis 2015 im Netz
Bei den Beratungen soll es unter anderem auch darum gehen, wie
die digitale Kluft überbrückt werden kann: Der Begriff bezeichnet
den Abstand, der zwischen der intensiven Internet-Nutzung in den
Industriestaaten und der geringen Nutzung in weniger entwickelten
Ländern klafft. Die UNO will erreichen, dass bis 2015 jedes Dorf der
Welt ans Internet angeschlossen ist.
UNO will Internet nicht "übernehmen"
