16.11.2005

WSIS

USA bleiben oberster Netz-Verwalter

Kurz vor Auftakt des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft in Tunis fanden die Vertreter der 170 Teilnehmerländer vorerst einen Kompromiss im langjährigen Streit über die Verwaltung und Steuerung des Internets.

Wie Diplomaten in der Nacht auf Mittwoch mitteilten, einigten sich die Unterhändler auf ein Papier, das die drohende Spaltung des Internets abwenden soll. Streitpunkt war bisher die Dominanz der US-Organisation ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers], die die Oberaufsicht über das Netz innehat. Die EU und Vertreter der Entwicklungsländer fordern seit Jahren eine alternative internationale Internet-Verwaltung.

Der Kompromiss von Tunis sieht ein zweigleisiges Vorgehen vor: Zum einen soll ein regierungsübergreifendes Forum geschaffen werden, in dem alle Internet-Fragen erörtert werden sollen - so etwa Netzkriminalität, Computerviren und Spam.

12.000 Besucher in Tunis erwartet

De facto ändert sich also wenig an der Netzverwaltung - die ICANN verwaltet weiter, während das regierungsübergreifende Forum nur beratende Funktion hat.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte vor der Tagung verlangt, alle Menschen an den Vorteilen des Internets zu beteiligen. Annan wies Vorwürfe aus den USA zurück, die Vereinten Nationen wollten das Netz kontrollieren.

Zu dem dreitägigen Weltgipfel werden 12.000 Besucher in der tunesischen Hauptstadt erwartet. Annan nimmt ebenso teil wie Vertreter großer Unternehmen.