Deutschland verzögert Galileo weiter
Zusätzliche Mittel für die Entwicklung des ehrgeizigen Satelliten-Navigationssystems wurden am Donnerstag im Rat der Europäischen Weltraum-Agentur ESA erneut nicht bewilligt, teilte der deutsche Verkehrsminister Manfred Stolpe [SPD] mit.
In dem Streit geht es unter anderem um den Standort des Galileo-Kontrollsystems, den Stolpe für Deutschland reklamierte.
"Wir hätten sehr gerne zugestimmt, aber solange es hier keine angemessene Lösung gibt, sieht sich Deutschland nicht in der Lage, weitere Finanzmittel für Galileo zur Verfügung zu stellen", erklärte der Minister. Die Deutschen seien mit rund 500 Mio. Euro der größte Beitragszahler für das Projekt.
Der Präsident der italienischen Weltraumbehörde ASI, Sergio Vetrella, hatte Deutschland kürzlich Verzögerungstaktik vorgeworfen. Berlin weigere sich, Zusatzkosten für die 2006 beginnende Startphase des Projekts in Höhe von bis zu 430 Mio. Euro mitzufinanzieren.
Streit über Galileo-Finanzierung geht weiterWeitere Verzögerung droht
Die ESA umfasst 15 europäische Mitgliedstaaten, zumeist EU-Länder. "Wir wollen eine faire Lösung für alle Beteiligten", sagte Stolpe. "Deutschland wird aber nicht mit seinem Beitrag nur die Luft- und Raumfahrtindustrie in Südeuropa und Frankreich finanzieren."
Deutschland verlange auch die Aufnahme eines deutschen Unternehmens in das künftige Galileo-Betreiberkonsortium sowie eine Beteiligung deutscher Unternehmen am Systemaufbau.
Die Beteiligten müssen sich bis spätestens Ende Oktober auf einen gemeinsamen Nenner verständigen. Sonst droht eine Verschiebung des für Anfang 2006 geplanten Programmstarts und weitere Zusatzkosten.
