Ex-Siemens-Finanzchef in Bedrängnis
Der frühere Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger hat in der Korruptionsaffäre um den Konzern Fehler eingeräumt. Ihm drohen nun Schadenersatzzahlungen.
Im Korruptionsskandal bei Siemens gerät der frühere Finanzvorstand Neubürger immer stärker unter Druck. Neubürger habe in einem Fall, in dem der Konzern jetzt Schadenersatzansprüche gegen den Ex-Finanzchef prüft, bereits Fehler eingeräumt, wie die "Süddeutsche Zeitung" ["SZ"] berichtete. In Konzernkreisen würden die Chancen, aufgrund dieser Sachlage Schadenersatz durchsetzen zu können, als groß bezeichnet, hieß es weiter.
Neubürger wird unter anderem vorgeworfen, frühzeitigen Hinweisen auf Schmiergeldzahlungen in Nigeria nicht konsequent nachgegangen zu sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb bereits gegen Neubürger.
Versäumnisse eingeräumt
Der Zeitung zufolge hatte der ehemalige Konzernjustiziar im November 2003 einen fünfseitigen Vermerk an Neubürger geschickt, in dem der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen in Nigeria detailliert geschildert wurde. Im Verlauf mehrerer Vernehmungen habe Neubürger gestanden, diesen Vermerk erhalten zu haben. Den Ermittlern soll er gesagt haben, damals hätten "rote Ampeln" bei ihm aufleuchten müssen.
Neubürger erklärte demnach, er habe den Vermerk an den damaligen Finanzchef der betroffenen Telekomsparte weitergeleitet und gebeten, Ordnung zu schaffen. Allerdings habe er später nicht nachgefragt, ob das auch geschehen sei. Er müsse zugeben, dass er hier mehr hätte tun müssen, das tue ihm sehr leid.
Verjährung soll verhindert werden
Die Siemens-Spitze bemüht sich in der Korruptionsaffäre, möglichst viel von den 1,8 Milliarden Euro zurückzubekommen, die der Skandal den Konzern bisher schon gekostet hat. Neben der Aufklärung der Vorwürfe und der Ermittlung weiterer möglicher Verantwortlicher dringt das Unternehmen daher darauf, eine mögliche Verjährung von Schadenersatzansprüchen zu verhindern.
Der Aufsichtsrat hat den für die Einhaltung der Anti-Korruptionsregeln zuständigen Ausschuss ermächtigt, "alle rechtlich erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Hemmung beziehungsweise Unterbrechung der Verjährung von etwaigen Ansprüchen gegenüber ehemaligen Vorstandsmitgliedern zu erreichen", wie das Unternehmen erklärte.
Nach Pressemeldungen vom Samstag wurde auch bereits eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, Verdachtsmomenten gegen frühere Vorstände nachzugehen und spätere Klagen vorzubereiten.
Auch der ehemalige Siemens-Konzernchef Heinrich von Pierer wird in der Schmiergeldaffäre um das Unternehmen von mehreren Zeugen belastet.
(AFP | APA | AP)
