Das große Zittern bei Siemens
Vorstandschef Klaus Kleinfeld wird heute Lösungen für die drei aktuellen Problemsparten von Siemens präsentieren. Dabei müssen sich die Beschäftigten auf die "ganze Palette der Grausamkeiten" einstellen: Neben massiven Stellenstreichungen und Auslagerungen werden vom Vorstand auch Zugeständnisse bei Einkommen und Arbeitszeit verlangt.
Beim IT-Dienstleister SBS wird das Management zunächst Arbeitnehmervertreter informieren. Nach Schätzung in Unternehmenskreisen stehen hier mehr als 1.000 Arbeitsplätze zur Disposition.
Auf Partnersuche für SBS4.200 Arbeitsplätze wackeln bei Com
Noch härter wird es die Kommunikationssparte Com treffen. Bisher war man von etwa 3.000 Stellen ausgegangen, Nach Informationen des "manager magazins" sollen sogar mehr als 4.200 Arbeitsplätze abgebaut werden.
In der Logistiksparte L&A stehen ebenfalls mehrere tausend Arbeitsplätze vor der Ausgliederung.
Siemens versuche damit, noch vor Ablauf des Geschäftsjahres 2004/05 am 30. September Lösungen für die Krisenherde zu finden, sagt Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. "Man will alle Belastungen noch möglichst ins laufende Geschäftsjahr reinpacken."
Wahl und Terminwahl
Bei Siemens wird betont, dass der Termin unmittelbar nach der
Wahl in Deutschland Zufall sei. Dagegen vermutet die Gewerkschaft IG
Metall, dass der Termin in Anbetracht der Kosulententätigkeit
Heinrich von Pierers für CDU-Chefin und Kanzlerkandidatin Angela
Merkel gewählt wurde. Pierer ist Vorsitzender des
Siemens-Aufsichtsrats.
BenQ darf Siemens-Handysparte übernehmenRote Zahlen bei der Kommunikation
Kleinfeld kündigte an, dass alle Siemens-Bereiche binnen 18 Monaten die hoch gesteckten Renditevorgaben erreichen müssten. "Der Druck ist jetzt höher als früher", sagt Aufsichtsrat Wolfgang Müller von der IG.Metall. "Über 60 Prozent der Siemens-Aktien sind jetzt in ausländischen Händen." Fonds und Hedgefonds würden auf rasche Renditeverbesserungen drängen.
"Gerade bei SBS muss etwas passieren, die Verluste sind hoch", sagt Analyst Kitz. Als Interessent gilt unter anderem das französische Unternehmen Atos Origin.
Ähnlich groß ist der Handlungsbedarf bei der Kommunikationssparte Com, die auch nach Verkauf der verlustreichen Handysparte in den roten Zahlen steckt. Siemens will bei Com vor allem eine Ausgliederung des Enterprise-Geschäfts mit Firmenkunden durchsetzen. Betroffen davon wären nach Gewerkschaftsangaben zwischen 4.600 und 6.300 Beschäftigte der Siemens-Töchter STS und STV sowie der Siemens AG.
