Digitalfotos richtig archivieren
Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie hat sich nicht nur die Zahl der Fotografen und Bilder erhöht, auch die Frage der optimalen Speicherung wird immer dringender. Während der Fotohandel "echte Abzüge" empfiehlt, wird andernorts bereits an professioneller Datensicherung zur Miete gearbeitet.
In einer Pressekonferenz machte der heimische Fotofachhandel am Dienstag auf ein Problem aufmerksam, das in Zukunft viele Profifotografen und Amateure treffen dürfte: die ausfallsichere Langzeitarchivierung ihrer digitalen Bilder.
Wie bereits jetzt Archive und Bibliotheken werden auch sie sich damit auseinandersetzen müssen, ob ihre Bilder in zehn, 20 oder 50 Jahren noch lesbar und damit nutzbar sind. Dabei kommt es einerseits auf das passende Format an, andererseits auf die Haltbarkeit des jeweiligen Trägermediums.
"Verlust der eigenen Vergangenheit"
Was heute als Format Gültigkeit hat und breite Anwendung findet, kann in wenigen Jahren bereits obsolet sein. Dann gibt es womöglich keine passende Software mehr, die nötige Hardware ist defekt oder nicht mehr aufzutreiben, oder das Speichermedium selbst ist defekt.
Der Fotohandel selbst empfiehlt wenig überraschend die analoge Ausarbeitung der Bilder, um keinen "Verlust der eigenen Vergangenheit" zu riskieren - vor allem für technisch weniger versierte Nutzer.
"Wir stehen der digitalen Fotografie nicht ablehnend gegenüber", erklärte dazu der Bundesgremialobmann des Fotofachhandels, Günther Wallisch. Vielmehr wolle der Handel vor einem Dokumentationsnotstand durch digitale Fotografie warnen.
"Die beste Langzeitarchivierung ist das echte Foto", sagte dazu der Obmann des Wiener Landesgremiums für den Fotofachhandel, Gerhard Brischnik, wobei das Laborbild dem Bild aus dem Drucker, egal ob zu Hause oder im Fotofachhandel gedruckt, eindeutig vorzuziehen sei. "Das chemische Laborbild ist das sicherste im Moment", so Brischnik. Dabei werden die digitalen Bilder im Labor auf Fotopapier belichtet und traditionell im chemischen Prozess weiterverarbeitet.
Der Wiener Fotofachhandel startet dazu die Kampagne "Das echte Foto", mit der interessierte Nutzer von den Vorzügen "echter" Bilder überzeugt werden sollen.
~ Link: Langes Leben für digitale Archive (../http://www.fuzo-archiv.at/?id=169071v2) ~
Lösungsansätze für Nutzer
Als Grundlage für seine Argumentation beruft sich der Wiener Fotofachhandel auf eine Studie der TU Wien, die vom Wiener Fotohandel finanziert wurde.
In dem Papier "Langfristige Archivierung digitaler Fotografien" beschreiben die Studienautoren Christoph Becker und Andreas Rauber die verschiedenen Nutzergruppen [vom technologieaversen Nutzer über den durchschnittliche und ambitionierten Nutzer bis hin zum professionellen Fotografen] und schlagen der jeweiligen Gruppe auch gleich passende Lösungsansätze vor.
Während die Studie professionellen Fotografen die Sicherung ihrer Daten auf Magnetband oder externen Festplatten empfiehlt, wird den technologieaversen und durchschnittlichen Nutzern neben der digitalen Speicherung auch die Ausbelichtung zumindest der wichtigsten Fotos empfohlen.
Denn selbst bei der passenden Hardware [und dem nötigen Kleingeld dazu] brauche eine ordentliche Archivpflege ausreichend Detailwissen und Expertise, um einen Verlust zu vermeiden. "Auch Festplatten müssen in regelmäßigen Abständen eingeschaltet werden, sonst gehen die mechanischen Teile kaputt, und nur ein Forensiker kann dann noch die Daten von der Platte lesen", so Rauber.
CDs, DVDs und wohl auch Blu-rays [aufgrund des geringen Alters bisher noch ohne realen Erfahrungswert] haben ebenfalls nur eine kurze Lebensdauer.
Film verschwindet
Laut Brischnik ist die Anzahl der verkauften Dia- und Negativfilme in Österreich von 2005 bis 2007 jährlich um 15 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2004 - dem letzten, in dem die Marktforschungsagentur GfK noch die Anzahl der in Österreich verkauften Filme erhob - wurden rund elf Millionen Kleinbildfilme verkauft. 2007 wurden in Österreich 1,7 Millionen Speicherkarten verkauft, die zur Verwendung in Digitalkameras geeignet sind.
Projekt: Speicherdienstleister
Dass das Entwickeln von Fotos allerdings nicht die ultimative Lösung für das eigentliche Problem der Archivierung darstellt, gab auch Rauber zu: "Wir sind noch nicht am Ende der technologischen Entwicklung, gerade holographische Speicher könnten hier helfen." Solid State Discs als Festplattenersatz ohne bewegliche Teile seien ebenfalls noch nicht in ausreichender Stückzahl und zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt vohanden.
Längerfristig sieht die Studie allerdings ohnedies digitale Services als einen Ausweg aus dem Dilemma. Ähnlich wie bei einer Bank könne der Nutzer seine Bilder bei einer professionellen Firma für die digitale Langzeitarchivierung abgeben, die sich dann darum kümmert, dass die Bilder ausreichend redundant gespeichert werden und auch mit gängigen Software-Programmen und Formaten kompatibel sind, so Rauber. Ein entsprechendes Projekt werde von der TU Wien bereits vorbereitet.
Bis solche Services auf den Markt kommen, rät Rauber, die wirklich wichtigen Daten redundant auf stabilen und qualitativ hochwertigen Datenträgern zu sichern - und regelmäßig zu kontrollieren.
(futurezone | Nadja Igler)
