Ex-Siemens-Chef im Visier der Ermittler

Schmiergeld
21.04.2008

Die Staatsanwaltschaft prüft Angaben des früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer zu seiner Rolle im Korruptionsskandal. In Griechenland werden die Ermittlungen gegen den Konzern intensiviert.

Von Pierers Anwalt habe den Ermittlern am Montag einen mehrere Dutzend Seiten starken Schriftsatz übergeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Die Behörde werde die Papiere voraussichtlich mindestens eine Woche lang prüfen. Von Pierer selbst habe an dem Termin nicht teilgenommen.

Auf die Frage, ob der frühere Siemens-Chef als Beschuldigter gelte, sagte Schmidt-Sommerfeld: "Zum Status von Herrn Pierer mache ich keine Angaben." Ob es zu einem erneuten Treffen mit von Pierer oder dessen Anwalt Sven Thomas kommen werde, hänge vom Inhalt der Unterlagen ab.

"Rechtsgespräch"

Von Pierers Rechtsberater Winfried Seibert erklärte: "Es war ausschließlich ein Rechtsgespräch zwischen Anwalt und Staatsanwalt." Der ehemalige Vorstandschef sei "weder Zeuge noch Beschuldigter, sondern irgendwas davor oder daneben", sagte er. Pierer hat jede Verwicklung in die Korruptionsaffäre bestritten.

Bei Siemens waren in den vergangenen Jahren mindestens 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Ein Großteil des Geldes wurde vermutlich im Ausland als Schmiergeld eingesetzt. Zuletzt wurde auch der ehemalige Siemens-Vorstandschef in der Schmiergeldaffäre schwer belastet.

Athen intensiviert Ermittlungen

Im Siemens-Schmiergeldskandal intensiviert die griechische Justiz die Ermittlungen. Zwei ehemaligen ranghohen Siemens-Mitarbeitern griechischer Staatsbürgerschaft wurde am Montag eine Frist bis jeweils 5. und 6. Mai gegeben, vor dem Staatsanwelt von Athen auszusagen.

Die Staatsanwaltschaft suche nach einem dritten Mitarbeiter, dessen Adresse nicht bekannt sei, berichtete das staatliche Fernsehen weiter. Griechische Staatsanwälte seien in den vergangenen Wochen ausführlich von ihren Kollegen in Deutschland über die dort laufenden Ermittlungen informiert worden, hieß es.

Telefonnetz und Überwachungssystem

Der Siemens-Konzern hatte sich Ende 2007 von seinem Landeschef in Griechenland getrennt. Nach Schätzungen in der griechischen Presse könnten die an griechische Politiker gezahlten Schmiergelder das Volumen von 100 Millionen Euro erreichen.

Dabei soll es um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes in den 90er Jahren, um den Auftrag für das Überwachungssystem [C4I] für die Olympischen Spiele 2004 und Kommunikationssysteme für das griechische Heer gegangen sein.

(dpa)