Musterverfahren wegen DT-Aktie startet

deutschland
04.04.2008

Gut sieben Jahre nach den ersten Klagen startet die Justiz in Frankfurt am Main einen neuen Anlauf im Megaverfahren um den dritten Börsengang der Deutschen Telekom [DT].

Rund 17.000 Kläger fordern von dem Konzern Schadenersatz, weil sie vom Einbruch der Aktienkurse nach dem Juni 2000 enttäuscht wurden. Zu den prominenten Zeugen in dem am Montag beginnenden Prozess gehört Ex-DT-Chef Ron Sommer.

Einer für 17.000

Das in der deutschen Rechtsgeschichte bisher einmalige Verfahren findet als Musterprozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main statt. Ein einzelner Anleger vertritt gleichsam alle 17.000 enttäuschten Aktionäre.

Um das zu ermöglichen, wurde eigens das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz [KapMuG] geschaffen. Die vorherigen Bemühungen des Landgerichts Frankfurt, das Monsterverfahren in den Griff zu bekommen, hatten sich als wenig praktikabel erwiesen.

Schadenersatz bei Prospekthaftung

Die Kläger wollen der Deutschen Telekom Fehler in dem Prospekt zum dritten Börsengang am 19. Juni 2000 nachweisen. Sollten Angaben unzutreffend oder unvollständig gewesen sein, würde der Fall der Prospekthaftung eintreten. Die DT könnte zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt werden. Insgesamt geht es nach Angaben beider Seiten um etwa 80 Mio. Euro, der Musterkläger allein fordert 1,65 Mio. Euro.

Die Deutsche Telekom betont, die Börsenprospekte seien zu jeder Zeit zutreffend gewesen. Das werde sich im Verfahren auch herausstellen.

17 Verhandlungstage

Der Prozess vor der 23. Zivilkammer unter Leitung des Vorsitzenden Richters Christian Dittrich ist zunächst auf 17 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil noch in diesem Jahr gilt allerdings als extrem unwahrscheinlich.

Zeugen sollen erst ab dem dritten Prozesstag befragt werden: am 14. April zunächst Ron Sommer, danach der noch amtierende Finanzchef Karl-Gerhard Eick. Für einen späteren Termin ist auch Sommers Nachfolger an der Spitze der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, geladen.

Bei dem dritten Börsengang hatte die DT-Aktie einen Ausgabekurs von 66,50 Euro beziehungsweise 63,50 Euro für Frühzeichner. Was die Käufer nicht wissen konnten: Das Wertpapier hatte damals seine beste Zeit schon hinter sich. Nach dem Höchststand von 103,50 Euro am 6. März 2000 ging es stetig bergab. Seit 2002 kam das Papier nicht mehr über 20 Euro.

(APA | AP)