11.06.2005

GOODBYE IBM

Die Hintergründe zu Apples Intel-Deal

Nachdem Apple-Chef Steve Jobs am Montag auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz die Abkehr vom langjährigen Chiplieferanten IBM und stattdessen einen Deal mit Intel verkündet hat, werden nun immer mehr Details zu den Hintergründen dieser Entwicklung bekannt.

Nach über einem Jahrzehnt Zusammenarbeit scheint Apple diesen Schritt laut einem Bericht der "New York Times" [Samstag-Ausgabe] still und heimlich geplant zu haben.

Bei IBM selbst will man demnach erst drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe über diesen Schritt informiert worden sein. Davor habe Big Blue auch nur die in den Medien kolportierten Gerüchte über Verhandlunegn mit Intel mitverfolgt.

Bereits im kommenden Jahr werde Apple beginnen, seine Macintosh-Computer mit Prozessoren von Intel auszustatten, kündigte Jobs am Montag in San Francisco an.

Geld oder Technik

Während man nun bei IBM als Grund für die Abkehr Preisfragen sieht, erklärte Apple-Chef Jobs die Trennung am Montag mit nicht erreichten Performance-Zielen.

Jobs hatte den Kunden in der Vergangenheit sowohl einen 3-GHz-Macintosh als auch stärkere PowerPC-basierte Notebooks [G5] versprochen und bisher nicht einhalten können.

IBM habe schließlich von Apple zusätzliche Investitionen für die Entwicklung der schnelleren und stromsparenderen Notebook-Chips gefordert, was laut IBM-Managern schließlich ausschlaggebend für Apples Wechsel gewesen sein soll.

Bei IBM betont man weiters, dass das PowerPC-Geschäft nicht mehr profitabel gewesen sei und man deshalb den Entschluss gefasst hätte, die Produkt-Road-Map nicht weiterzuverfolgen. Bei Apple wird dieser wirtschaftliche Aspekt schlicht ausgeblendet und nur mit dem technologischen "Nachhinken" argumentiert.

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak berichtete der "New York Times", dass er die Entscheidung für Intel bereits länger kommen gesehen habe.

Interesse von Sony

Unterdessen wurde auch bekannt, dass die Chefetage von Sony inklusive PlayStation-Erfinder Kenichi Kutaragi im Vorfeld versucht hatte, Steve Jobs zum Umstieg auf den gemeinsam mit IBM entwickelten "Cell"-Prozessor zu überreden.

Als zusätzliches "Schmankerl" boten sie dem Computerhersteller die Offenlegung einzelner Sony-Technologien an.

Jobs lehnte jedoch dankend ab und erklärte er finde das Design von "Cell" enttäuschend und obendrein weniger leistungsstark als den PowerPC.

Analysten vermuten, dass Apple und Intel mit ihrer Allianz den Konsolenherstellern Sony und Microsoft entgegenhalten und den Mac mini als Wohnzimmer-PC etablieren wollen.