Aktuellen Macs droht Ladenhüter-Dasein
Nach über einem Jahrzehnt werden IBMs PowerPC-Prozessoren in Macintosh-Rechnern ab dem nächsten Jahr von Intel-Chips abgelöst.
Das gab Apple am Montag nach wochenlangen Gerüchten offiziell bekannt und begründete den Umstieg damit, dass die kommenden Intel-Chips schlicht und einfach leistungsstärker und effizienter seien.
Analysten warnen nun davor, dass der Wechsel vor allem bei den Endkunden große Verwirrung auslöst. Viele, die bisher über eine Anschaffung eines aktuellen Apple-Notebooks nachdachten, würden ihre Pläne nun um ein Jahr verschieben.
Denn kaum ein Apple-Kunde sei bereit, noch Geld in eine scheinbar überholte Technologie zu investieren.
Umstieg bis Ende 2007 vollzogen
"Unser Ziel ist es, den Kunden die besten Personalcomputer der
Welt anzubieten", erklärte Apple-Chef Steve Jobs am Montag auf der
Apple-Entwicklerkonferenz in San Francisco. Bis Ende 2007 sollen
alle Macs auf Intel umgerüstet sein.
Historischer Wechsel: Apple setzt auf Intel-ChipsRabatte gegen volle Lager
Einer der Hauptgründe für den Wechsel ist, dass es IBM wegen Hitzeproblemen bis heute nicht geschafft hat, eine mobile Version des G5-Chips für Notebooks zu entwickeln.
"Es spricht einfach nichts dafür, sich jetzt ein neues PowerBook zuzulegen, wenn es in 18 Monaten technisch komplett überholt ist", erklärt Gary Barnett, Marktforscher bei Ovum. "Apple hat klar signalisiert, dass es vernünftiger wäre, noch ein Jahr zu warten."
"Das wird den Apple-Händlern sicher Sorgen bereiten. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sie mit Preissenkungen versuchen werden, die Leute dazu zu bewegen, die letzten Bestände der PowerPC-Macs zu kaufen", so Graham Barlow, Redakteur beim britischen Magazin "MacFormat".
Analysten sehen bereits Apples ohnehin bescheidenen Anteil von derzeit 2,3 Prozent am Computermarkt weiter dahinschmelzen.
"AMD wäre beeindruckender"
"Mich hätte es mehr beeindruckt, wenn Apple zu AMD gewechselt
wäre", urteilt Ovum-Analyst Barnett gegenüber der BBC. Denn AMD habe
Intel bei der 64-Bit-Prozessor-Technologie längst überholt. Intel
sei nur der derzeit führende Hersteller.
Wikpedia-Infos zur x86-ArchitekturKampf um die digitale Unterhaltung
Viele Experten werten den Wechsel jedoch als den einzig logischen Schritt, der Apple eine Fülle an Möglichkeiten eröffne.
"Apple mag zwar den Kampf um die Herrschaft im Büro an Windows verloren haben, doch den nächsten Krieg, den um die digitale Unterhaltung, will es gewinnen", so Barlow weiter.
"Mit dem iPod und iTunes dominieren sie bereits den digitalen Musikmarkt, doch der Konzern wird etwa neue Geräte und neue Technologien für den aufkommenden Online-Filmmarkt benötigen. Die Intel-Chips sind mit ihrem niedrigen Energiebedarf und dem integrierten Digital-Rights-Management dafür hervorragend gerüstet."
Auch der Weg für die schnelle Adaption des Funkstandards Wimax werde dadurch geebnet.
PowerPC-Chip in nächsten Konsolen
IBM muss nun zwar die Abkehr von Apple hinnehmen, kann sich aber
damit trösten, dass seine PowerPC-Plattform bei allen drei
Vertretern [Microsoft, Sony und Nintendo] der nächsten
Spielekonsolen-Generation integriert wird.
Wikipedia-Infos zur PowerPC-Plattform
