Verfahren gegen Yline-Pleitier vor Einleitung
Der Ex-Chef der spektakulär in Konkurs gegangenen Yline, Böhm, hat die Firma FirstInEx gekauft. Diese Firma hat die umstrittene Homepage Grassers gestaltet. Der Eigentümer von FirstInEx, die Fondsgesellschaft Amis, und Böhm selbst haben den Deal am Mittwoch der APA bestätigt.
Die Firma hatte zu Böhms geplatztem Luft-Imperium Yline gehört. "Ich habe aber nicht immer gewusst, was sich in der FirstInEx abspielt", verteidigte sich der frühere Yline-Chef.
In den Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug gegen Böhm und 23 weitere Yline-Manager zeichnet sich unterdessen Bewegung ab.
Der Staatsanwalt rechnet damit, dass noch im Sommer ein Verfahren eingeleitet werden könnte. Bis dahin sollte ein seit Jahren in Arbeit befindliches Gutachten des Wirtschaftsprüfers Thomas Keppert fertig sein, sagte Staatsanwalt Georg Krakow.
Die Firma FirstInEx war vor rund einem Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der Vater des Finanzministers, Karl Grasser, über Treuhänder einen Anteil an dem Unternehmen gehalten hatte. Davor war bekannt geworden, dass die private Homepage des Finanzministers, die FirstInEx gestaltet hatte, über den Verein zur Förderung der New Economy mit Geldern der Industriellenvereinigung finanziert worden war.
Leichenschau im Yline-KellerRückkauf um einen Euro
Böhm verweist auf die Unschuldsvermutung und betont: "Ich warte, was da kommt, und hoffe, dass nichts herauskommt." Allerdings sei Yline ein "Politikum" gewesen. "Das muss ich akzeptieren. Ich habe mich auf den Teufel, die Politik, eingelassen, jetzt muss ich auch mit ihm tanzen", so Böhm.
FirstInEx war ursprünglich ein Spin-off von Yline gewesen. Kurz vor der Pleite hatte Yline die Firma gegen Aktientausch wieder komplett übernommen, um sie dann an die Wiener Fondsgesellschaft Amis weiterzuverkaufen. Die Fondgesellschaft war zuletzt in den Medien aufgetaucht, weil die Luxemburger Finanzmarktaufsicht fünf Amis-Fonds gesperrt hatte - "weil nicht klar war, wohin manche Gelder investiert worden waren", wie es damals hieß.
Für die FirstInEx-Übernahme soll Amis damals eine Anleihe begeben haben. Für wie viel Böhm das Unternehmen jetzt wieder zurückgekauft hat, wollte er noch nicht sagen.
Dem Vernehmen nach waren es ein symbolischer Euro und so genannte Besserungsscheine. Amis-Chef Dietmar Böhmer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, er ist bis Ende des Monats auf Urlaub.
IBM und der Zwangsausgleich
Im Konkursverfahren über das "Restvermögen" der Yline hat der Masseverwalter nach fast vierjährigen Verhandlungen vergangene Woche einen Vergleich mit dem größten Gläubiger IBM geschlossen.
IBM zahle demnach 3,1 Mio. Euro in die Masse ein, im Gegenzug anerkenne der Masseverwalter 18 Mio. Euro an IBM-Forderungen, erklärte der frühere YLine-Chef Werner Böhm am Mittwoch. Böhm hält jetzt wieder einen Zwangsausgleich für möglich.
Vor gut einem Jahr war ein erster Antrag Böhms auf Zwangsausgleich am Widerstand von IBM gescheitert.
